@Sonzee87:
Danke fürs Lob.

Bei den Gehältern kann ich wirklich meist nicht mithalten - aber das schöne an einem deutschen Drittligisten in einer global aktivierten Ligenlandschaft ist ja, dass es wirklich buchstäblich tausende Spieler gibt, die als Ersatz infragekommen.
Der Trick ist, diejenigen zu finden, die nicht nur können, sondern auch wollen.

Winter 2032/33, Essen, Deutschland
GERARDDie Frage des Winters lautet selbstverständlich: "Wie groß soll der Umbruch ausfallen?" und unsere Antwort lautet ebenso selbstverständlich: "JA!!!".
Denn wir verlieren im Winter mal eben acht (ACHT!) Spieler.
Zuerst mal natürlich die drei, bei denen uns das schon im Laufe des Hernstes klar war (oder klargemacht wurde):
Niklas Freitag geht für 1,9 Millionen und ohne weitere Klauseln nach England zu Coventry City in die Sky Bet One. Mit etwas Glück spielt er aber schon nächstes Jahr in der Championship - aktuell liegt Coventury auf einem Playoffplatz.
Aritz Perez, sein kongenialer Mittelfeldpartner und unser zweites Riesentalent, wechselt für 825.000 Euro plus 20% der nächsten Transfersumme zum ältesten belgischen Verein Royal Antwerpen.
Und Mirza Stjepanovic erliegt dem Werben der Franzosen von Girondins Bordeaux und soll ihnen helfen, den Aufstieg in die Ligue 1 einzutüten.
Kostenpunkt: 600.000 Euro plus 20 Prozent der nächsten Transfersumme.
Dann tritt unser dritter Keeper Niklas Alter an uns heran und teilt uns mit, dass er jetzt enndgültig die Faxen dicke von den blöden Kalauern auf Kosten seines Nachnamens hat - oder vielleicht auch nur keine Lust mehr auf den permanenten Stammplatz auf der Tribüne. Er will unbedingt weg. Und da Rathenow - aktuell tief im Abstiegsschlamassel der Zweiten Bundesliga - einen neuen Keeper braucht, weil deren Torwart gerade fluchend fesstellt, wie schlecht man mit gerissenem Kreuzband fussballspielen kann, wechselt Alter eben eine Liga hoch und ein paar hundert Kilometer nach Nordosten.
Unser vierter Innenverteidiger Detlef Tenhagen wollte einen neuen Kontrakt, weil seiner ausläuft - als wir ihm mitteilen, dass das aufgrund seiner vielen Defizite (die Paßgenauigkeit einer Schrotflinte, die filigrane Technik eines B.A. Baracus oder auch die Geschwindigkeit einer gehbeeinträchtigten Stehschnecke) eher nix wird, will er lieber gestern als heute weg.
Als der benachbarte regionalligist Rödinghausen das mitbekommt, winkt er mit einem Stammplatz für Tenhagen und einem winzigen Geldkoffer für uns und der Deal ist perfekt.
Bernhard Paterok wiederum, unsere Offensivallroundwaffe auf dem Abstellgleis, hat die harte Ersatzbank satt und wechselt nach Gütersloh, wo auch er einen Stammplatz bekommen soll.
Alles in allem nehmen wir mit den Verkäufen satte 3,5 Millionen Euro ein.
Und da der übergroße Teil dieser Summe bereits seit Wochen, teilweise seit Monaten, fix ist, können wir auch lange vor Öffnung des Transferfensters den einen oder anderen Zugang festzurren.
Ganz oben auf der Liste neuer Wunderspieler für Rot-Weiss Essen steht ein Schweizer mit dem typischen Alpentalnamen Abdoulaye Guirassy.
Der Sturmallrounder spielz zurzeit noch beim Challenge-League-Aufsteiger Lausanne-Ouchy, hat allerdings eine relativ günstige Ausstiegsklausel von 190.000 Euro.
Nachdem wir ihn ein paarmal beobachtet haben, wissen wir, dass wir unsere neue Stammkraft im Sturmzentrum gefunden haben.
Guirassy ist hochgewachsen (knapp 1,90m), schnell, wendig, trickreich, hat ein gutes Spielverständnis, eine klasse Technik, ist natürlich abschluß- und nervenstark und kommt mit der Empfehlung von 60 Toren in 135 Spielen für den FC Aarau, Lausanne Sports und eben Lausanne-Ouchy. Der 24jährige fühlt sich als Abschlußspieler im Zentrum am wohlsten, kann aber auch den Vorbereiter in einem Zweiersturm geben oder sogar hinter den Spitzen agieren.
Ach ja, ausdauernd, teamdienlich und ehrgeizig ist er auch noch.
Wenn Guirassy seinen Vorschußlorbeeren halbwegs gerecht wird, haben wir hier einen 1:1-Ersatz für Stjepanovic geholt, der uns sogar ein paar Cent weniger Gehalt kostet.
Als Backup für ihn greifen wir bei Abdulman Mawutor zu, der mit seinem Berater gerade durch Deutschland tingelt und einen Verein scht.
Mawutor ist in der Luft sogar noch etwas stärker als Guirassy, allerdings in allen anderen Bereichen deutlich schwächer. Na gut, dafür will er aber auch nur die Hälfte des Gehaltes haben.
Als Dritten im Bunde verpflichten wir Emmanuel Augustine, der erstmal in der U19 Erfahrungen sammeln und den Stammplatz des an Bayern Alzenau verliehenen Mohou Sanneh übernehmen soll.
(Sanneh wiederum könnte, weitere gute Entwicklung in der bayrischen Regionalliga vorausgesetzt, im Sommer schon eine Option für die U23 oder gar die Senioren werden, der verbessert sich mit Riesenschritten.)
Für Alter holen wir mit Lautaro Corvalan den zweiten Keeper der argentinischen U23 (!) - die sind gerade zu einem Vorbereitungsturnier in Europa und unser Jugendkoordinator kennt deren Technischen Direktor von einem Lehrgang ... eins ergibt das andere, man kennt das ja. Die berühmten "Netzwerke" halt.
Jedenfalls ergattern wir Corvalan für ds Butterbrot von 200.000 Euro.
Natürlich ist das für uns kein Butterbrot im klassichen Sinne - aber Corvalan hat jetzt schon einen Marktwert von mehr als einer Million Euro.
Als nächstes verpflichten wir Dylan Rustico vom luxemburgischen Erstligisten Swift Hesperingen. Der Mittelfeldspieler soll die offensiveren Aufgaben im Zentrum übernehmen, für die defensive Absicherung wird Maximilian Teichmann zuständig sein.
Der Franzose Georges Descamps wiederum kommt inmitten eines wochenlangen Tauziehens um unsere beiden Linksaußen Daiber und Felipe, die beide mit ungelogen einem Dutzend verschiedener Vereine in Verbindung gebracht werden und mehrfach kurz vor dem Wechsel zu stehen schein.
Am Ende bleiben beide da, Descamps ist bereits verpflichtet und wir haben jetzt fünf Spieler die die linke Seite als ihre Heimat ansehen. Antoni Plotka ist der einzige der Fünferbande, der sich rein defensiv versteht, Betinho und Descamps können sowohl defensiv als auch auf dem offensiven Flügel eingesetzt werden... und Daiber sowie Felipe sind dann reine Offensivoptionen.
Mindestens einer ist jedenfalls zuviel - das wird bestimmt spaßig.
Und zu guter Letzt holen wir aus Domzale einen absoluten Knaller für die Abwehr. Tadej Rozman kann grundlegend alles - sogar ein halbwegs vernünftiges Paßspiel bringt er mit.
Zusammen mit Kapitän Strietzel, dem spielstarken Polen Bilinski, dem "kroatischen Turm" Bergman und meinem Landsmann Redzepagic haben wir eine wirklich gute Innenverteidigung!
Ein perfektes Transferfenster sieht natürlich anders aus, wir haben allerdings zumindest wieder einen Kader zusammen, der ausgewogen genug ist, um sowohl das 4222 als auch das 4231 positionstechnisch gut abzudecken.
Eigentlich sind hannes und ich uns einig, dass wir perspektivisch doch wieder über ein 433 nachdenken müssen, weil wir die Mitte auch mit der Doppelsechs nicht so richtig zubekommen, aber dafür reicht die kurze Winterpause nicht aus - und wir gehen lieber mit einem suboptimalen System in die Rückrunde, in dem die Spieler aber wissen, was sie zu tun haben, als im laufenden Betrieb zu versuchen, komplett neue Abläufe und Abstimmungen einzustudieren.
Damit haben wir ganz nebenbei immerhin schonmal die erste Aufgabe für die Sommerpause definiert.
Als das Transferfenster schließt, sieht der Kader jedenfalls zumindest auf dem Papier gut aus:
Und falls wir noch eine Bestätigung dafür gebraucht hätten, dass unsere Aktivitäten den heftigen Aderlaß durch die Abgänge gut aufgefangen haben, so finden wir ihn in der Rückrundenerwartung, die die "Ruhrnachrichten" veröffentlichen - und diese tabelle sieht uns in der gleichen Region wie vor der Saison: unteres Mittelfeld (die ganzen vermaledeiten Zweiten Mannschaften kann ja stärkemäßig keine Sau verläßlich einschätzen. Die schicken plötzlich drei Spieler aus der ersten Mannschaft auf den Platz, dann kannste Dir Deine Prognose komplett sauerkochen.)
Und dann, nach zwei Freundschaftsspielen, in denen Guirassy schon mal einen guten ersten Eindruck hinterläßt und Zweitligist Duisburg (im eigenen Stadion) ganz schön doof aus der Wäsche guckt:
Rückrunde!
Und gleich ein ordentlicher Härtetest, denn die "kleinen Bayern" sind ja nicht irgendeine Laufkundschaft. Das 2:4 aus dem vorigen Jahr hängt uns immer noch nach.
"Falls sich die Fans von RWE sorgenvoll gefragt haben sollten, was von der auf etlichen Positionen durcheinandergewürfelten und zwangsweise neuformierten Mannschaft zu halten und zu erwarten sei, dann war das Testspiel beim MSV Duisburg ja dazu angetan, ihre Nerven zu beruhigen.
Was das Team allerdings gestern abend beim Rückrundenauftakt im Stadion an der Hafenstraße ablieferte, war - und ist heute noch immer, ehrlich gesagt - kaum zu fassen.
FÜNF zu eins lautete das Endergebnis in einem denkwürdigen Spiel, das die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hinriß. Mann des Abends war sicherlich Neuzugang Guirassy. Der Schweizer erzielte zwei Tore selbst und lieferte dazu noch den pre assist zu Lorenz' Treffer , indem er einen eigentlich viel zu langen Paß mit letztem Einsatz erlief, von der Grundliniekratzte und direkt nach innen flankte - und zwar so präzise auf Lorenz' Kopf, als hätte er eine halbe Stunde gezielt.
Dass es RWE nach 5:0-Pausenstand in der zweiten Hälfte etwas ruhiger angehen ließ und den bedauernswerten Gästen kurz vor Schluß noch den Ehrentreffer gestattete, konnte den Genuß jedenfalls nicht wesentlich trüben.
Wer nicht da war, hat was verpaßt!"
(T. Bauck für RN)
Als nächstes fordern uns die Hessen vom FSV Frankfurt. Der Aufsteiger hat den Playoffrang fest im Blick und will uns vor heimischem Publikum selbstverständlich keinen Punkt überlassen ,ganz zu schweigen von drei!
"Zweite Machtdemonstration der Rot-Weißen innerhalb Wochenfrist!
Nach dem fulminanten 5:1 gegen Bayern legte derAufstiegsaspirant beim Spitzenspiel in Frankfurt mit den gleichen Ergebnis nach.
Die Gastgeber wurden zu Beginn der Partie kalt erwischt, als Neuzugang Guirassy eine Daiberecke unter die Latte drosch ... und dann wurden sie gleich mehrfach eiskalt ausgekontert.
Der Doppelschlag kurz vor der Pause war genaugenommen bereits die Vorentscheidung - und Türmers 1:3 in der 68. Minute beantworteten die Essener postwendend und doppelt.
Sturmtank Guirassy war an vier Toren direkt beteiligt, drei schoß er selbst - womit er sein Scorerkonto nach nur zwei Spielen auf unglaubliche sechs geschraubt hat.
Es scheint, als habe Damian Jamro hier einen absoluten Volltreffer aus dem Hut gezaubert."
(T. Bauck für RN)
Den Monatsabschluß bildet ein Heimspiel gegen Darmstadt 98.
Deren Saison ist eigentlich schon fast vorbei - theoretisch müssen sie noch mit einem Auge nach unten schauen, aber wenn sie sich nicht allzu dämlich anstellen, sollte da nichts mehr passieren.
Und nach oben?
Da geht wohl auch nicht mehr viel.
Klar, fünfzehn Spiele klingt nach einer Menge - aber eigentlich ist es ds nicht.
Wie es auch sein, die Lilien spielen ziemlich befreit auf und bereiten uns mehr Probleme als die beiden Mannschaften zuvor.
"Zur Abwechslung mal kein Erdrutsch, sondern 'nur' ein knapper Sieg. Wie ordnen Sie die Partie ein?"
"Wir können ja nicht immer solche Wahnsinnsspiele abliefern - und vor allem tun uns die Gegner nicht immer die gefallen, mit offenem Visier in unsere tempogegenstöße zu laufen.
Darmstadt hat heute sehr konzentriert und diszipliniert dagegengehalten und wenn ich ehrlich bin, dass hätten sie einen Punkt auf jeden Fall verdient gehabt."
"Stattdessen hat Ihre Mannschaft den frühen Rückstand innerhalb von nichtmal 30 Sekunden in einen Sieg gedreht - was war da los?"
"Ganz einfach, wir haben zwei Tore geschossen."
"Sensationell!"
"Ja, fand ich auch. - Nein, im Ernst: das erste Tor warein Geniestreich von Guirassy, ich weiß nicht, wie man sowas verteidigen soll. Annahme mit dem Rücken zum Tor, Ball blind am Verteidiger hinter ihm vorbeilegen, sich drehen, kurzer Sprint, Schuß - das ist reiner Instinktfussball, da muß der Verteidiger schon absolute Weltklasse sein, um das zu antizipieren.
Und dieses Tor hat - das hat man gesehen . Darmstadt kurz aus dem Konzept gebracht.
Sehr kurz, ein, zwei Minuten höchstens - hat Lorenz und Guirassy aber gereicht, um sie gleich nochmal auseinanderzuspeielen."
"Die beiden scheinen sich gesucht und gefunden zu haben, oder?"
"Ja, das sieht schon sehr gut aus nach der kurzen gemeinsamen Trainingszeit."
"Ist der Aufstieg für Sie inzwischen eigentlich ein ernsthaftes Thema?"
"Mit dem heutigen Sieg haben wir eine Punktzahl zusammen, die auch rechnerisch in jeder 20er-Liga mit 3-Punkte-Regel zum Klassenerhalt reicht, ab sofort arbeiten wir auf unser eigentliches Saisonziel 'sicherer Mittelfeldplatz' hin."
"Sie sind unglaublich."
"Unglaublich" trifft wohl auch auf unseren schweizer Neuzugang zu - nach seinen ersten drei Pflichtspielen wird er jedenfalls gleichmal Fussballer des Monats.
Und mit was?
Mit Recht!