Im FM gibt es also eine für meine Begriffe recht unrealistische Logik nach der ein Team nach einer Serie von 4-5 Siegen einfach so einbricht OHNE das der Spieler großen Einfluss nehmen kann. Warum ist das so? Weil wir kein richtiges Feedback von den Spielern bekommen. Wenn dies soo entscheidend ist sollten wir eine Anzeige dafür haben. "Moral hoch = alles gut" scheint ja nicht zu stimmen.
Ein richtiger Trainer kann die mentale Stärke seiner Spieler natürlich gut einschätzen weil er sie jeden Tag sieht.
Alleine die Tatsache, das einige alles auf die Moral schieben, zeigt, dass das Spiel (aber nicht erst seit dieser Version) mehr Feedback in Sachen Spielermotivation vertragen könnte. Denn neben der Moral, die natürlich nach Siegesserien in der Regel super ist, gibt es noch eine zweite Ebene, die allerdings keinen expliziten Balken oder eine Infografik hat: Spieler können wie hier auch schon erwähnt überheblich werden, oder demotiviert. Allerdings ist man aus meiner Sicht auch da extrem gut beraten, sich immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass es entgegen der im Nachhinein zu fast jedem Spiel herrlich schlüssig klingenden Spielanalysen im Fußball viele verschiedene Faktoren gibt und er wie erwähnt ein Sport bleibt, in dem Schlüsselszenen über die extrem wenigen Tore entscheiden; auch die Taktik ist nur eine davon, die Spielerqualität ist bestimmt die größte, und auch die Ansprachen im FM werden gerne etwas überbewertet, imho. Im Fernsehen mag es immer herrlich simpel klingen, wenn Scholli und Co. teilweise ganze Spiele auf ein "fehlendes Erfolgserlebnis" runterbrechen, und der Doppelpass bestimmt bald "endlich" mal wieder verlierende Bayern auf definitiv "satte/unkonzentrierte/überhebliche Spieler" zurückführt.
Dass generelles Loben bei Halbzeitführung fast zwangsweise zum Abschalten in der zweiten HZ führt, ist etwas, das SI selbst gerne jederzeit verneinen würden. Zum einen sind die Ansprachen kontextabhängig, heißt Loben wenn Bayern zuhause 3:0 gegen Bremen führt ist nicht dasselbe wie Loben wenn Paderborn zur Pause 1:0 in München führt. Zum anderen halten die Ansprachen ca. eine Viertelstunde vor, dann übernehmen in der Regel die Spielereignisse (offiziell). Die teilweise Paranoia gegen diese Option ist unbegründet, das ist offiziell, sonst würde sie gar nicht angeboten. Trotzdem sind sie eines der Instrumente, mit denen man vor Überheblichkeit nach langen Serien ohne Niederlage warnen kann; und im Assi-Feedback vor dem Spiel (ich glaube auch nachher), wird eventuell langsam auftauchende "complacency" dann auch angezeigt. Dazu wechseln Ereignisse während einees laufenden Spiels (Tore, Gegentoure, Fouls) die Motivation von Spielern (siehe Feedback Körpersprache). Ich hatte schon Gegner oder zumindest Spieler, die waren nach einem 0:3 richtig angestachelt (das Normale ist natürlich das Umgekehrte). Und selbst wenn man dann im Folgematch 0:1 beim Abstiegskandidaten verliert, hat das nicht zwingend was mit Überheblichkeit zu tun; Fußball ist wie erwähnt wegen der wenigen Tore ein Spiel der feinen Unterschiede und Momente, die entscheiden, wer als Sieger vom Platz geht und wer nicht. Und die Berechnung geht Spiele nicht anders als Fifa chronologisch durch, Ball für Ball.
Die Balance solcher Geschichten ist immer diskutabel, nicht nur, weil auch der Einfluss aller Faktoren im echten Fußball umstritten ist. Ich erinnere mich noch an eine 2012er-Managerstory, in der ein Spieler in Ungarn dokumentierte, wie "unmotiviert" die Weltklasseclubs mit ihren Spielern in der CL teilweise gegen ihn antraten. Die Club-Reputation, die mit beeinflusst, ob Überheblichkeit auftreten kann oder nicht, war trotz wirklich guter, konkurrenzfähiger Spieler beim Ungarn-Club noch sehr niedrig, folglich traten Teams wie Real Madrid nicht ganz so fokussiert an wie gegen meinetwegen Barcelona. Man kann davon ausgehen, dass die Motivation direkt etwas die Attribute beeinflusst, ähnlich wie bei der Spielvorbereitung, ohne sie jetzt komplett zu verändern. Angeblich in der letzten Vierstelstunde nicht zu verteidigende KI-Teams gab es dazu schon um den 2008er rum und waren mit darauf zurückzuführen, dass die KI früher sehr simpel gestrickt war: Sie stellte bei Rückstand kurz vor Schluss immer auf 4-2-4 um, das war sozusagen ihre Standard-Brechstangentaktik für alles, was einige nicht zu verteidigen wussten. Allerdings ist das kein Scripting, Scripting bedeutet zum Beispiel: Wenn Team A in der HZ führt und B macht, dann passiert definitiv C. Dass sich SI dagegen wehren, ist denke ich verständlich, siehe oben; dazu würde es das Verständnis des Spiels erschweren, und solche "Anschuldigungen" verbreiten sich eben rasend, weil sie die einfache Lösung sind und sich verlockend anhören, ohne dass der "Ankläger" sie überhaupt beweisen muss (siehe Steam-Forum). Übrigens: Auch der Einfluss des Managers ist, insgesamt, eingeschränkt. Das ist die Frustration des Spiels, wer trotzdem auf Mourinho ("I am the special one") statt auf Pep ("Meine Spieler sind super super super") machen will, kann das gerne tun. Kann ja jeder mal zum Start seiner aktuellen Saison speichern, sie selbst zu Ende spielen, dann noch mal neuladen und den Assistenten komplett übernehmen lassen (Urlaub), um zu sehen, was so passiert.
