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Autor Thema: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread  (Gelesen 334487 mal)

veni_vidi_vici

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2780 am: 06.März 2025, 22:40:54 »

Ich bin klar der Meinung, dass das Land Investitionen braucht, nachdem über Jahrzehnte kaputtgespart wurde.

Stimmt. Aber ich bleibe dabei. Die Reihenfolge ist grundverkehrt. Erst gehört zusammengestrichen, was nicht notwendig ist. Auch diverse Auslandshilfen und "komische" Projekte gehören für mich dazu. Dann muss ein Bedarfsplan aufgestellt werden. Es wird entschieden wo investiert wird und was damit erreicht werden soll. Erst dann sollte eigentlich die Schuldenbremse gelockert werden. Dann könnte ich damit wesentlich besser leben.

So sieht es nach Aktionismus aus. Außerdem spielt man der AfD doch wieder in die Karten, wenn das Sondervermögen jetzt noch unter alter Besetzung beschlossen wird. Das bietet Angriffsfläche.

Plus. Das ist ein großes Entgegenkommen von Merz in Richtung SPD. Daran gab es auch, verständlich, viel Kritik. Ich habe dieses Jahr CDU gewählt. Das die Schuldenbremse fällt stört mich (eigentlich - siehe oben) nicht. Aber ich erwarte bei der SPD jetzt ein ebenso großes Entgegenkommen bei Asyl und Bürgergeld. Und da bin ich mir halt noch nicht so sicher, dass die SPD-Granden das auch so sehen.

LG Veni_vidi_vici

Kaliumchlorid

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2781 am: 07.März 2025, 05:02:40 »

Plus. Das ist ein großes Entgegenkommen von Merz in Richtung SPD. Daran gab es auch, verständlich, viel Kritik. Ich habe dieses Jahr CDU gewählt. Das die Schuldenbremse fällt stört mich (eigentlich - siehe oben) nicht. Aber ich erwarte bei der SPD jetzt ein ebenso großes Entgegenkommen bei Asyl und Bürgergeld. Und da bin ich mir halt noch nicht so sicher, dass die SPD-Granden das auch so sehen.

LG Veni_vidi_vici

Sehe das eher nicht als Entgegenkommen an, sondern Merz schaut, dass er Geld für seine Kanzlerschaft bekommt. Denn das Wahlprogramm, das sich die CDU vorstellt, weist halt doch gravierende Defizite auf. Und wenn Merz und die CDU sich diese Geld nicht über eine ordentliche Vermögens- und Erbschaftssteuer holen möchte, müssen sie es eben über neue Schulden machen.
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Zu weit exitiert nur in deinem Kopf

veni_vidi_vici

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2782 am: 07.März 2025, 08:31:13 »

Plus. Das ist ein großes Entgegenkommen von Merz in Richtung SPD. Daran gab es auch, verständlich, viel Kritik. Ich habe dieses Jahr CDU gewählt. Das die Schuldenbremse fällt stört mich (eigentlich - siehe oben) nicht. Aber ich erwarte bei der SPD jetzt ein ebenso großes Entgegenkommen bei Asyl und Bürgergeld. Und da bin ich mir halt noch nicht so sicher, dass die SPD-Granden das auch so sehen.

LG Veni_vidi_vici

Sehe das eher nicht als Entgegenkommen an, sondern Merz schaut, dass er Geld für seine Kanzlerschaft bekommt. Denn das Wahlprogramm, das sich die CDU vorstellt, weist halt doch gravierende Defizite auf. Und wenn Merz und die CDU sich diese Geld nicht über eine ordentliche Vermögens- und Erbschaftssteuer holen möchte, müssen sie es eben über neue Schulden machen.

Ich verstehe diese Argumentation. Aber es gab ja vorher ein Treffen. Dort wurde aufgezeigt, dass weniger Geld verfügbar ist, als gedacht. Auch wegen der vorherigen Regierung unter SPD Beteiligung? In jedem Fall musste Merz ein Wahlversprechen kassieren. Das kostet ihm vertrauen. Und da reicht von der SPD halt nicht aus nur das Bürgergeld umzubenennen. Ich bin schon der Meinung und wäre sehr enttäuscht, wenn von den Roten bei Migration und/oder Bürgergeld nicht auch eine größere Bewegung eintritt. Denn auch damit ließe sich die neue Regierung (weniger Kosten für Bürgergeld) ein Stück weit gegenfinanzieren - allerdings in diesem Fall ohne Schulden.

LG Veni_vidi_vici

kn0xv1lle

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2783 am: 07.März 2025, 10:09:07 »


Ich verstehe diese Argumentation. Aber es gab ja vorher ein Treffen. Dort wurde aufgezeigt, dass weniger Geld verfügbar ist, als gedacht. Auch wegen der vorherigen Regierung unter SPD Beteiligung? In jedem Fall musste Merz ein Wahlversprechen kassieren. Das kostet ihm vertrauen. Und da reicht von der SPD halt nicht aus nur das Bürgergeld umzubenennen. Ich bin schon der Meinung und wäre sehr enttäuscht, wenn von den Roten bei Migration und/oder Bürgergeld nicht auch eine größere Bewegung eintritt. Denn auch damit ließe sich die neue Regierung (weniger Kosten für Bürgergeld) ein Stück weit gegenfinanzieren - allerdings in diesem Fall ohne Schulden.

LG Veni_vidi_vici

Nein das ist aus meiner Sicht Kalkül gewesen seitens Merz und CDU/CSU. Seit es das Wahlprogramm gibt war klar das das nicht finanzierbar ist was die CDU sich vorstellt ohne das man entweder neue Schulden macht oder an anderer Stelle spart bzw. Steuern erhöht. Jetzt damit zu kommen das man sich dem Kurs der SPD anschließt oder das weniger Geld verfügbar ist als gedacht ist einfach Verarschung des Wählers in kürzester Zeit und ein sehr einfach zu druchschauendes Manöver. Für die SPD ist das aus meiner Sicht auch nicht ungefährlich. Irgendwie lässt man das unkommentiert stehen und macht mit. Ich sehe schon das Merz das ganze auf die SPD schiebt und das man sich ja nur angenähert hat.  ::) Bzw. die Bild titelt ja schon das die SPD Merz zu diesen Mega Schulden Deal "zwang". Ekelhaft diese Zeitung.

Es wird also schon sehr in die Richtung manipuliert das Merz gar keine andere Wahl hat.  ::) Kommt ihm gelegen aber jeder normaldenkende Bürger weiß wie es wirklich war und zwar das die CDU von vorneherein genau dieses Szenario geplant hat, da ja absehbar war das man nur mit SPD und evtl. noch den Grünen eine Regierung bilden kann und beiden Parteien den schwarzen Peter zu schieben wollte.
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Noergelgnom

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2784 am: 07.März 2025, 14:01:27 »

@Noergelgnom, interessant das du mich ansprichst wo ich mit keinem Wort behaupte das Schulden schlecht sind. Mich nervt nur Merz offensichtlicher Kurswechsel, nachdem er und die CDU/CSU die Ampel Regierung verteufelt hat mit ihren Plänen und die CDU im Wahlkampf so getan hat als wenn ihre Wahlversprechen ohne neue Schulden machbar wären. Dazu Merz dämliches schwäbische Hausfrau Gleichnis. Dieses Kurswechsel ist einfach nur frech und zeigt mal wieder wie der Wähler verarscht wird. Und da kann man der CDU dann nur vorwerfen keinen ehrlichen Wahlkampf geführt zu haben. Ich weiß auch nicht was das sollte, da jeder realist wusste ohne neue Schulden wird es nicht gehen.

Dazu sehe ich nicht das uns Investitionen von nochmal 400 Milliarden in die Bundeswehr in irgendeiner Art und Weise nützen. Investitionen in Infrastruktur da gehe ich mit das ist mehr als überfällig und bringt am Ende des Tages auch etwas.
Aber bei der Bundeswehr werden diese 400 Milliarden irgendwo versickern und es wird enden wie immer bei der Bundeswehr. Nichts funktioniert und man hat wieder horrende Summen ausgegeben für Berater, PR Kampagnen oder Kleidung.  ::)
Ich würde sogar auch diese Investition unterstützen wenn ich nicht wüsste das sich damit einige die Taschen vollmachen werden und in den Entscheidenden Posten unfähige Personen sitzen die keine Ahnung von der Materie haben.
Unser gefühlte Sicherheit wird davon sicher nicht profitieren.

Ansonsten stimme ich dir zu. Ich kann dieses deutsche Problem mit Schulden auch nicht verstehen. Eben was du ansprichst notwendige Investitionen auf zukünftige Generationen abzuwälzen ist verantwortungslos. Es dann auch noch mit der Begründung zu tun man wolle diese Generationen vor den horrenden Kosten schützen ist eine ekelhafte Argumentation.
Trotzdem gehört in Deutschland der ausufernde Beamtenapparat und andere Kostenexplosionen im Haushalt dringend auf den Prüfstand.

@kn0xville:
@TNDO
:

Irgendwie hab ich die "Stoßrichtung" Eurer Beiträge beim ersten Lesen falsch verstanden, sorry.
Dass Merz die Schuldenbremse auszuweichen gedenkt, war mir schon ein paar Wochen vor der Wahl klar, als er in diversen Interviews klare Bekenntnisse zu diesem Instrument vermieden hat.
Aus meiner Sicht hat er daher auch keinen offenen Wortbruch begangen, sondern nur einen impliziten, sozusagen.
Wortklauberei, ist mir auch klar. ;)

Und klar, der Beamtenapparat hat sich auch in D längst verselbständigt, da sind inzwischen etliche kleine, mittlere und unfaßbar große Privilegien, Sonderrechte, Ungereimtheiten und Unverschämtheiten aufgelaufen, die ihren Teil zur Situation beitragen.
Beispiele dafür hat wohl jeder von uns zu Dutzenden vor dem geistigen Auge.

Was die Milliarden für die Bundeswehr angeht, bin ich zuerst instinktiv auf der Seite der Kritiker. "Aufrüstung ist aus vielen Gründen schlecht." ist ganz tief in meinem Wertekanon verankert.
Wenn ich mir die Realität anschaue, kann ich diesem Instinkt aber leider nicht folgen.
Ja, es bleibt furchtbar, haufenweise Geld, für das es buchstäbliche tausende bessere Verwendungsmöglichkeiten gäbe, in die Rüstung zu stecken.
Aber es nicht zu tun wäre Vogel-Strauß-Taktik und nur mit der Hoffnung erklärbar, dass mindestens einer (besser beide) aus dem duo infernale Donald "Krasnov" Trump oder Wladimir "Niemand hat die Absicht, einen Angriffskrieg zu führen." Putin zur Besinnung kommt.
Und das ist leider nicht zu erwarten.

Daher: ja, wahrscheinlich versickert ein Teil der 400 (+x) Milliarden irgendwo. Wenn wir sie nicht ausgeben, steigt allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass in naher Zukunft nicht mehr das deutsche Parlament entscheidet, wie wir unser Geld zu verschwenden gedenken.  ::)




Ich bin nicht grundsätzlich gegen Schulden an sich. Auch die Schuldenbremse erlaubt Schulden in einem gesunden Maß. 0,35% der Wirtschaftleistung dürfen ohne Einschränkung als neue Schulden aufgenommen werden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsverschuldung_der_Vereinigten_Staaten#/media/Datei:Total_US_Federal_Debt_by_President_(1940_to_2015).png
Hier mal die Staatsverschuldung der USA, welche übrigens komplett abhängig sind vom Konsum der "Reichen". Die haben nämlich dass Vermögen, dass dort den Schulden entgegensteht. Die Mehrheit der Menschen dort haben nichts. Das sollte kein Vorbild für uns sein. Du siehst auch einen exponentiellen Verlauf, der sich beschleunigt. Goldman-Sachs geht davon aus, dass bei der gegenwärtigen Entwicklung in den 2030ern die USA an ihren Schulden ersticken. Warum wohl passiert jetzt das mit Doge und warum sind die auf einmal so hinterher einzusparen? Bei allem was man Trump und Elon vorwerfen mag : Sie haben gesehen, dass die USA so nicht weitermachen können. Und sie hatten als Weltleitwährung die Möglichkeit ihre Staatsschulden als Dollar zu drucken und dann zu "exportieren". Die Möglichkeit haben wir hier nicht.
Die Folgen übrigens sind nicht zu übersehen : Die "Reichen" werden immer schneller reich und die "Armen" werden immer schneller ärmer und ärmer. Staatsverschuldung hilft vor allem auch den "Reichen", die dann von den Zinserträgen leben können. Die Schuldenpoltik schadet also der Mittelschicht und den Armen, auch in Deutschland. Oder hat einer hier massenhaft Staatsanleihen, mit denen er von den "neuen Schulden" profitiert?
Ihr könnt natürlich versuchen Schulden wegzuinflationieren. Das haben wir ja schonmal probiert und die Folgen haben Generationen in Deutschland entscheidend geprägt. Oder die südeuropäischen Länder haben das früher gemacht, das ging dann aber mit dem Euro nicht mehr. Frag mal die Griechen was dann passiert.


Kommen wir nun zu einem weiteren Thema. Ich halte nichts von Merz, schon vor der Wahl nicht. Seine Wahlgeschenke will er ja irgendwie finanzieren. Und ich befürchte (Achtung Spekulation!), dass er die beiden größten Posten hinter dem Sozialetat (Verteidigung und Infrastruktur) aus dem Sondervermögen finanziert und im normalen Haushalt dort dann Gelder "freiwerden", die er dann woanders einsetzen kann. Wäre eine ziemlich miese Nummer und daher bei Merz sehr gut vorstellbar. Merz als Kanzler finde ich sogar schlimmer als Habeck (als Ex-JUler eine harte Aussage).


Hier mal etwas aus dem Bundestag :
https://dserver.bundestag.de/btd/20/097/2009761.pdf
Wir haben Milliarden in Infrastruktur im Ausland investiert, während hier die Schulen verrotten. Geht gerne einmal durch, was dort alles ausgegeben wird. Dann brauchen wir uns nicht mehr drüber zu unterhalten, wo unser Geld bleibt...

Die USA sind ganz sicher nicht "komplett abhängig vom Konsum der Reichen", denn der Konsum einer Bevölkerung wird in seiner überwältigenden Mehrheit durch diejenigen Bevölkerungsteile generiert, die Massenwaren kaufen - von Nahrung über Genußmittel und Reisen bis hin zu Mieten (wobei "Massenwaren" hier natürlich kein korrekter Begriff mehr sind).

Mehr als (dekadent) essen kann auch Elon Musk nicht. Und selbst wenn der sich jeden Monat einen neuen JumboJet (ca 290 Millionen) kaufen würde, fiele das in der Gesamtbetrachtung nicht mal  stark ins Gewicht als wenn sich jeder US-Bürger einmal im Monat ein Kilogramm Bananen (aktuell ca 1,70 Dollar) kauft.
Reich sein kurbelt nämlich nicht den täglichen Konsum an, sondern den Vermögensaufbau - von dem der Binnenkonsum nichts hat.

Dieses Argument "Die Reichen finanzieren alles" ist schon immer ein Strohmann-Argument gewesen - denn die Reichen sind auch diejenigen, die sich über die Steuererklärung und etliche dort nutzbare Tricks einen Gutteil der Summe zurückholen können.
Stichworte: "Stiftungsvermögen und Spenden", "Abschreibungen auf Investitionen" (deren Gewinne selbstverständlich dem Unternehmer zustehen, während das unternehmerische Risiko der Anschaffung genauso selbstverständlich der Staat und damit die Bevölkerung trägt).

Und (etwas mehr als) die Hälfte der Menschen hierzulande hat auch nichts. Die unteren 50% der deutschen Bevölkerung verfügten 2017 laut Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken gerade mal über 2,6% des gesamten Vermögens.
Und die USofA mögen zwar an ihren Schulden ersticken, das liegt aber daran, dass sich das Vermögen auch in den USA bei immer weniger immer reicheren Personen konzentriert, die nichts damit anzufangen wissen und es jedenfalls nicht wieder in Umlauf bringen.
Die unteren 80% der Bevölkerung haben gar keine andere Wahl, als (nahezu) das gesamte Einkommen sofort wieder auszugeben.
Genaugenommen haben die USA nicht nur eine Schulden-, sondern vor allem auch eine Einnahmekrise, hervorgerufen durch genau diejenigen, die jetzt im Oval Office sitzen und Massenentlassungen als Allheilmittel preisen.
(Und von den Demokraten vorher genauso - es ist die große Tragödie der USofA, dass die angebliche "älteste Demokratie der Welt" seit langem wenig mehr als ein Selbstbedienungsladen für das oberste Prozent der Bevölkerung ist. )


(Es ist übrigens bestimmt richtig, dass ein Teil der Beamten in den USA wie auch bei uns einfach unnötige Posten besetzt - aber selbst wenn die gesamte Staatsverwaltung entlassen würde, hätte das keine Lösung der Krise zur Folge.
Ganz im Gegenteil - der Konsum dieser Menschen würde mangels Einkommen aus neuen Jobs ja auch noch wegfallen, weil auch den Unternehmen in Krisensituationen traditionell nichts anderes einfällt, als die Belegschaft auf die Straße zu setzen, sich mit dem Prosecco in den elitären Club zu setzen und zu jammern, wie schlecht man doch dran ist. Zynismus Ende.)

Nicht falsch verstehen: ich agitiere ganz sicher nicht für eine zügel- und wahllose Neuverschuldung.
Und die Mißbrauchsorgien, die (in D genauso wie in den USofA) zB während Covid-19 sowohl auf Bürokraten- als auch auf Unternehmens- und Privatpersonen-Ebene mit staatlichem Geld gefeiert worden sind, gehören zu den dunkelsten Kapiteln der jeweiligen Finanzgeschichte, so wie die ungeheure Treuhandkorruptionsgeschichte, der Flick-Skandal, Kohls Leuna-Deal oder Scholz' CumEx-Skandal (jeder darf ja mal).
Aber sich hinzustellen und den vom ahnungslosesten Wirtschaftsminister ever, his inferior majesty Patr... äh ... Christian Lindner, auch noch künstlich kleingerechneten Neuverschuldungsrahmen als DIE Lösung anzusehen, ist genauso weltfremd.

Wir brauchen doch allein für die zentralen Bereiche der verrotteten Infrastruktur hunderte Milliarden Euro. Und zwar jetzt, nicht 2100!
Es ist schließlich nicht eine Brücke in Dresden, eine Schule, eine Bahnstrecke oder eine Autobahn, die dringend der Aufmerksamkeit bedürfen - je nachdem, welcher Rechnung man glaubt, brauchen wir in den nächsten 3-6 Jahren zwischen 250 und 800 Milliarden Euro, um auch nur die unaufschiebbaren Sachen zu erledigen.
(Da ist noch kein Euro in Richtung Klima, Verteidigung oder Zukunftstechnologien geflossen, da ist nichts neugebaut - Stichwort: sozialer Wohnungsbau, um gegen die nächste Krisenurgewalt anzukämpfen - das ist nur zum reparieren dessen nötig, was schon da und kurz vorm Einsturz ist!)

All diese Kosten Schuldenbremse-konform zu decken ... da reden wir nicht über "die nächste Generation", die als immer Feigenblatt in dieser Diskussion herhalten muß, sondern über einen Zeitraum bis ins nächste Jahrhundert...


Ach ja: Doge gibt es, um den Superreichen (und da vor allem Elon Musk und denjenigen, die Donald die Präsidentschaft gekauft haben) noch mehr Möglichkeiten zu geben, Geld zu scheffeln, egal wie, ohne dass lästige Gesetze dazwischenfunken.
Schau Dir an, wo der Rotstift angesetzt wird, schau Dir an, aus welchen Abkommen Donald ausgetreten ist oder den Austritt angekündigt hat, schau Dir an, warum er so hinter bestimmten souveränen Staaten her ist ... das hat doch nichts damit zu tun, dass er sich Sorgen um die Verschuldung der USofA macht!
Der Typ ist die personifizierte Schulden-Jongleur-Nummer, mutmaßlicher Geldwäscher für die Mafia, seine Familie ist mit mobilen Puffs und Casinos reich geworden.
Dem gehen alle seine Mitbürger und auch der Staat, den er jetzt so leitet wie eine Außenstelle von Inkasso Moskau (Lügen, Betrügen, Drohen, Schutzgeld erpressen) soweit am gelifteten Allerwertesten vorbei, dass er die nichtmal mit dem Fernglas noch findet.
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Lavayeux' Europatour - Die Geschichte eines Luxemburgers

DragonFox

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2785 am: 07.März 2025, 14:03:19 »


Ich kürze auch ab.  :D


Bei dem Punkt mit der Einwanderung sind wir ja dann mit ähnlichen Gedanken unterwegs. Ich kritisiere ja nur, dass die Politiker das nur schwarz und weiß sehen. Die AFD will Grenzen ganz schließen, keine EU, gar nichts. Die Union hat mit diesen 5 Punkten in ein ähnliches Horn geblasen. Scholz hat sich in einem Duell mit Merz schon fast gestritten, wer stärker die Grenzen zu machen und das Problem beheben könnte. Ansonsten hört man von Teilen der SPD und vom ganzen Rest nur empörendes nö.
Eine sinnvolle Debatte über realistische Wege die respektvoll mit den vielfältigen Hintergründen und Beweggründen der Menschen die zu uns kommen und im Gegensatz mit unseren Grundwerten und Überzeugungen national und auf europäischer Ebene umgehen vermisse ich seit Jahren. Stattdessen ist es einfach ein polarisierendens Empörungsthema und die Debatte und die Wortwahl verschärft sich immer weiter.
Das wird auch nicht den Ängsten und Sorgen der Bevölkerung recht, wenn die politische Führung nur in Extremen spricht und damit nie zum Punkt kommt. Keine leichte Aufgabe, aber ich sehe nicht mal den Versuch.



Zu dem Demokrate Leben Thema:
Ich überlege da immer mal wieder dran herum. Ich würde sagen, dass sich das ganze Programm eher an mitte bis links wendet, weil es nunmal ihr Feld bedient. Das ist eine reine Vermutung und ich wäre gerne an deiner Einschätzung interessiert. Ich beobachte zumindest, dass viele zivile Organisationen und Gruppen die sich mit Themen wie Gleichwertigkeit, Vielfalt, Toleranz, Verständnis, Rechtsstaatlichkeit, Förderung und Bildung von Demokratie und dem Schutz der Menschenrechte widmen eher aus mitte bis linken Teilen der Gesellschaft kommen.
Das ist gar keine Kritik am Programm, sondern meine Einschätzung der Bevölkerung. Oder das Eingeständnis, dass ich offensichtlich einen blinden Fleck habe. Aber alle Programm und Vorstöße in dieser Richtung, die ich kennen, oder die mir zumindest in den Sinn kommen, sind eher geprägt von einer linken Idee. Es gibt auch Forschung, die belegt, dass sich der konservative Teil der Bevölkerung eher nicht aktiv in die Gesellschaft einbringt.

Falls das stimmt, was ich in Frage stelle, würde das für mich zumindest nahe legen, dass ein überwiegender Teil der Projektanträge links sind und damit bei den bewilligten Anträgen linke Projekte überwiegen. Da würde ich dann allerdings keine Agenda unterstellen. Wenn ich alle Kinder belohne, die ein rotes Auto malen, dann werde ich viele rotes Autos zu Gesicht bekommen. Damit ist nicht der Malwettbewerb zu kritistieren, sondern höchstens die Frage zu stellen, ob es wo anders auch um blaue Flugzeuge geht.

Da der Backlash zu dem Begriff Woke dazu geführt hat, dass er alles in diese Richtung als negativ gesehen wird, bin ich mir nicht sicher was du meinst. Ein Unterpunkt der Projekte bei Demokratie Leben sollen Zusammenhalt, Menschenfeindlichkeit, eine offene Gesellschaft sowie Toleranz fördern. Dazu gehört dann ganz sicher auch Bemühungen gegen Rassismus, Sexismus, Homophobiem Transphobie und so weiter. Das wäre dann wohl woke.
« Letzte Änderung: 07.März 2025, 14:15:53 von DragonFox »
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TNDO

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2786 am: 07.März 2025, 17:00:04 »

@Noergelgnom :
Die Hälfte aller Konsumausgaben in den USA stammen von 10 Prozent der Bevölkerung, die auch wahrscheinlich massiv Staatsanleihen kaufen können (Zinssatz 4,4% pro Jahr und damit höher als in Italien, Griechenland, Frankreich).
https://www.spiegel.de/wirtschaft/usa-wirtschaft-wird-immer-abhaengiger-von-reichen-a-55837c04-6f81-4b51-ab0d-5c42d5c49f5e


Zu deinem Einwand, dass in den USA die unteren 80% der Bevölkerung dank Inflation selbst ihren bisherigen Konsumlevel nicht aufrechterhalten können. Das stimmt und trotzdem geben sie mehr aus, als sie einnehmen. Brauche glaub ich nicht ausführen wozu das führt. Table 2 zeigt das DPI (Disposable Personal Income) und dann die PS (Personal Savings), die bei den unteren 20% der Amerikaner 700 Dollar pro Monat negativ ist. Die grüne Linie PCE (Personal Comsumption Expenditures) ist nämlich höher als das DPI und das nicht erst seit gestern. So kommen ruckzuck heftige Schulden zusammen, denn damit wird das finanziert.



In Table 1 sieht man die Gesamtkonsumausgaben der einzeln percentile (in 20er-Schritten). In 2022 haben
die unteren 20%      : 1.371.636,553 Billion $ (Millarden Dollar) an Konsumausgaben gehabt
die 20-40%-Gruppe : 2.060.659,033 Billion $
die 40-60%-Gruppe : 2.521.864,297 Billion $
die 60-80%-Gruppe : 3.224.412,674 Billion $
die oberen 20%       : 6.056.651,865 Billion $
Die oberen 20% haben also soviel 10% mehr für Konsum ausgegeben wie die unteren 60% zusammen. Und nebenbei haben sie auch noch die höchste Sparrate, die über Anleihen und Aktien/Immobilien noch mehr Geld generiert. Denen jetzt auch noch mehr Anleihen zum Kaufen bereitzustellen erhöht den Zinssatz (höheres Angebot bei gleicher Nachfrage) und somit auch die Ungleichheit.

Quelle und Link: https://www.bls.gov/cex/pce-ce-distributions.htm


Figure 3. Growth of average retail spending overall and decomposed by household income (seasonally-adjusted and inflation-adjusted). See accessible link for data.
Quelle : https://www.federalreserve.gov/econres/notes/feds-notes/a-better-way-of-understanding-the-u-s-consumer-decomposing-retail-spending-by-household-income-20241011.html


Was man hier sieht ist die Entwicklung der Konsumausgaben in den USA aufgeschlüsselt nach Haushaltseinkommen. Wie man sieht konnten die Low Income-Households durch die Corona-Hilfen kurzfristig ihre Ausgaben erhöhen. Generell sehen die Middle-Income-Earner und die Low-Income-Earner eher schlecht aus, steigen ihre Konsumausgaben schwächer als die der High-Income-Earner.


Das schlimme bei den Schulden ist, dass es eine verkappte Umverteilung von unten nach oben ist. Die wollen das Geld von der Anleihe nicht zurück sondern nur auf ewig die Zinsen kassieren. Nannte sich früher Schuldknechtschaft, heute nennt man es anders, das Prinzip bleibt gleich. Denn wer kauft denn die Staatsanleihen in sein Portfolio? Sicher nicht der "normale Bürger", sondern die, die ohnehin schon viel Geld haben. Die erhöhen sich ihr Einkommen damit und zahlen tut es am Ende doch der Steuerzahler, als auch du und ich...

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/europa-verteidigung-kosten-finanzierung-anleihenmarkt-100.html

Hier nochmal aus ganz seriöser Quelle, dass die USA höhere Zinssätze für ihre Anleihen zahlen und dass in Deutschland nach Merz Ankündigung exakt diese Zinssätze hochgehen. Das wirkt sich auch auf die Bauzinsen und die Inflation aus. Wer also ein Eigenheim bauen möchte, wird sich auch auf wesentlich höhere Kosten einstellen müssen (die sind eh schon extrem hoch). Nicht nur wegen der hohen Bauzinsen, sondern auch weil der Fachkräftemangel allgegenwärtig ist bei Handwerker. Will ja keiner mehr mit seinen Händen Geld verdienen, sondern lieber Häuptling im Büro sein. Hat schon jemand mal einen Indianerstamm gesehen, der nur aus Häuptlingen besteht? Ich nicht... Aber dieser Handwerkermangel wird sich eher noch verschlimmern, weil die Sanierungen ja irgendjemand übernehmen muss. Und wenn sie das machen bleibt weniger Zeit für den privaten Bereich. Habe letztes Jahr meine Heizung reparieren lassen. 2 Firmen haben auf der Webseite schon geschrieben, dass sie komplett ausgebucht sind, die dritte hat mich noch irgendwie in den Zeitplan gequetscht, ich musste nur 2 Wochen warten (Glück gehabt). Stellt euch mal vor, wir sanieren jetzt noch unsere Infrastruktur? Dann ist für die privaten Bauvorhaben wieder DIY angesagt. Ich vermisse hier bei Merz die Weitsicht auch mal den Handwerkermangel zu beheben, indem man mehr Leute fürs Handwerk begeistert. Aber Merz ist dazu zu charakterlos und abgehoben (ich konnte ihn noch nie leiden, sry).




Kommen wir zu deinem Einwand, dass wir die Infrastruktur jetzt brauchen. Bin ich komplett deiner Meinung, aber :
Wie oben geschrieben haben wir gar nicht genug Handwerker. Wir müssen also erstmal genug Leute qualifizieren in Handwerksberufen. Ansonsten ziehen wir nur Ressourcen von den privaten Bauträgern ab und erhöhen die Kosten für das Bauen in Deutschland. Dazu müssten wir unsere Genehmigungsverfahren entschlacken und darüber nachdenken, wieso so wenig gebaut wird.
Ich zitiere hier mal Dietmar Walberg (Leiter der Kieler Bauforschungsinstitut Arge) :"Wer profitabel Mietwohnungen bauen will, müsse 20 Euro pro Quadratmeter an Miete verlangen." Das liegt an Knappheit an Handwerkern, aber auch an den Baunebenkosten und Bauvorschriften, die einen lähmenden Einfluss durch ihre bürokratische Ausgestaltung haben. Die beiden Hebel würden alleine dazu führen, dass wieder mehr gebaut wird, das bauen günstiger wird und auch die Wohnungsmieten wieder sinken können. Und wer jedes Jahr 500.000 Einwanderer will muss für diese auch Wohnungen haben, denn es ist nicht zumutbar, dass diese jahrelang in Turnhallen und Flüchtlingsunterkünften abgeschoben werden.

Anbei mal die dazugehörige Studien
https://www.impulse-fuer-den-wohnungsbau.de/fileadmin/images/Studien/ARGE/ARGE-Studie_–_Wohnungsbau-Tag_2024.pdf

Auf Seite 19 dazu nochmal :
"Eine frei finanzierte Vermietung lässt eine monatliche Kaltmiete je Quadratmeter Wohnfläche von unter ca. 17,50 € auf dem aktuellen Kosten- und Zinsniveau kaum mehr zu."
"Weitere, qualitative Anforderungen für die Erstellung von Wohngebäuden machen die Realisierung von bezahlbarem Wohnraum kaum noch möglich."

Auf Seite 21 dazu noch die Entwicklung der Bauwerkskosten. Man sieht ganz deutlich den Anstieg für die Ampelgesetze und die Auswirkungen dessen.
Seite 23 geht hier nochmal mehr ins Detail. Der Rohbau hat von 2000 bis 2023 seine Kosten um 100% gesteigert. Die Baunebenkosten (Expertengutachten, Abgaben/Gebühren) um 132% und dank EnEV/GEG, EEWärmeG hat sich der technische Ausbau um 336% verteuert...

Zu deiner Auflistung von Skandalen : Ja, da bin ich voll bei dir. Dass Kohl und Scholz überhaupt Kanzler bleiben durften ist schon ein Schlag ins Gesicht eines jeden ehrlichen Bürgers. Schreib du mal dem Finanzamt, dass du dich wie Scholz an bestimmten Dinge nicht erinnern kannst. Dann stehen die sofort vor deiner Tür und pfänden dich bis du pleite bist.

Zu Doge : USAID hat wie auch die dt. Entwicklungshilfe einen extremen Hang zur Geldverschwendung (habe hier einen Link gepostet zu einer Anfrage der cdU hinsichtlich der Verwendung von Mitteln).
Aber gehen wir doch den bisherigen Haushalt 2025 des Bundes durch
https://www.bundeshaushalt.de/DE/Bundeshaushalt-digital/bundeshaushalt-digital.html
37,59% gehen an : Kommandobehörden und Truppen, Sozialversicherungsbeiträge, Fürsorgemaßnahmen und Versorgung für Soldatinnen und Soldaten
15,34% Unterbringung
15,01% Bundeswehrverwaltung, Universitäten der Bundeswehr, Militärseelsorge usw.
12,76% Materialerhaltung (das erste was unsere Ausrüstung betrifft)
7,75% sonstiger Betrieb der Bundeswehr
4,66% Militärische Beschaffung (neue System = unter 5%)
Wir verschwenden ziemlich viel Geld denke ich...

Achtung persönliche Meinung :
Friedrich Merz macht Politik für seine reichen Freunde (die freuen sich über neue Staatsanleihen und höhere Zinsen darauf) und kauft sich die Kanzlerschaft. Die spD kommt hier gestärkt raus. Die cdU hat Merz mit seiner Verlogenheit hingerichtet. Statt die afD zu halbieren, halbiert er die Union und bringt die afD auf 30+%. Merz ist der Steigbügelhalter für die afD und ich hasse ihn dafür. Damit bin ich nicht allein, viele aus cdU-nahen Kreisen sind komplett entsetzt und viele cdU-Wähler enttäuscht und ein paar die ich kenne, die Wahlkampf für die Union gemacht haben, sind aufgrund seines Kurswechsels extrem sauer. Die haben den potentiellen Wähler auf der Straße Dinge erzählt, die er jetzt in Rekordzeit komplett über den Haufen wirft. Das kann nicht sein. Und auch wenn ich meist eher nicht mit Merkel einer Meinung bin, so bin ich in Sachen Ablehnung von Friedrich Merz ganz bei ihr. Der Typ gehört nicht in die Politik und schon genau ins Kanzleramt. Ihn überhaupt zu nominieren war schon dämlich. Die cdU hat nicht wegen sondern trotz ihm "gewonnen". Wobei das Wahlergebnis von 28,x% mit eines der schlechtesten ihrer Geschichte war.

Ich weiß dass so ein langer Post schwer zu lesen ist. Ich habe mich aber bemüht es kurz und leicht verständlich zu halten. Ich hoffe meine Position und warum ich bei meiner Ablehnung so eisern bin, dürfte damit klarer geworden sein.





« Letzte Änderung: 07.März 2025, 17:11:37 von TNDO »
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DragonFox

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2787 am: 07.März 2025, 18:47:34 »

Bei den Baugenehmigungen stimme ich dir zu. Das habe ich jetzt schon öfters gehört und kann ich nachvollziehen. Unserer niedrigster Standard ist zu hoch.

Ich verstehe deine Aussage zu den Militärausgaben nicht. Woran machst du an den von dir bereitgestellten prozentualen Werten fest, dass wir in dem Bereich Geld verschwenden?
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veni_vidi_vici

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2788 am: 08.März 2025, 08:40:56 »


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LG Veni_vidi_vici

Nein das ist aus meiner Sicht Kalkül gewesen seitens Merz und CDU/CSU. [...]

Die Wahlprogramme aller Parteien hatten diese Lücken. Aber ja, dass von der CDU am ehesten. Dennoch hätte man ja auch damit beginnen können Förderungen für NGOs, Auslandshilfen etc. erstmal zu streichen und nicht gleich ein Sondervermögen aufzusetzen. Ich bleibe daher dabei, dass die CDU hier ein Stück weit (das Sondervermögen wird ja riesig und das entspricht halt eher den Vorstellungen der SPD-Wähler) in Richtung SPD gerückt ist. Eigenen Wählern und der Basis hat das übrigens gar nicht gefallen. Aktuell hält man sich noch zurück. Wenn es bei anderen Punkten aber keine klaren CDU-Gewinne gibt, dann kracht es auch hier eventuell nochmal.

Statt die afD zu halbieren, halbiert er die Union und bringt die afD auf 30+%. Merz ist der Steigbügelhalter für die afD und ich hasse ihn dafür.

Das stimmt so m.E.n. nicht. Merz ist kein angenehmer Mensch. Da gehe ich sogar mit. Er ist mir aber lieber als der unsichbarste und vergesslichste Kanzler ever. Er ist mir auch lieber als das lebene Paradox Weidel und ein Habeck, der seine Unfähigkeit als Wirtschaftsminister viel zu lange zeigen durfte. Die Verwunderung ist groß, dass so viele ihre Stimmen an die anderen Parteien geben. Verstehe ich persönlich nicht. Mit der aktuellen Regierung war die Mehrheit unzufrieden und es werden die gleichen lahmen Gäule ins Rennen geschickt. Söder hätte vermutlich mehr Stimmen geholt als Merz. Er hängt sein Fähnchen nach Meiner Meinung immer ziemlich nach dem Wind. Was sich zunächst  schlecht anhört bedeutet aber auch, dass er dem Willen seiner Wähler folgt. Vielleicht gibt es also Schlimmeres.

Lachhaft finde ich hingegen die Aussage, dass Merz der Steigbügelhalter für die AfD ist. Der Steigbügel wurde nämlich längst von der Ampel gehalten. Ein Anstieg bei der AfD um 50 % in den 3,5 Ampel-Jahren. Selbst die von dir prognostizierten 30 % wären im Verhältnis ein geringerer Anstieg. Die SPD wäre jeweils beteiligt gewesen. Und bevor bei der Ampel der Schwarze Peter wieder einmal in Richtung FDP geschoben wird. Es sind die Themen, wo SPD und Grüne mauern, die die AfD stark machen.

Das gilt auch für die aktuelle Koalitionsverhandlung. Die AfD wird stärker, wenn Merz sich in Sachen Asyl nicht durchsetzt. Das ist das Kernanliegen der AfD-Wählerschaft. An Merz Stelle würde ich mich auf keine Regierung mit der SPD einlassen, wenn es hier keine wesentlich strengeren Regeln gibt. Denn so bekommst du die AfD am ehesten klein(er). Persönlich verstehe ich auch nicht, warum die SPD hier dermaßen mauert. Die Mehrheit ihrer Wähler würde einen härteren Asyl-Kurs mittragen.

Was die AfD im Besonderen stark macht ist, dass die anderen Parteien zu sehr auf ihre Partei-Agenda schauen. Das Wohl oder der Wille des Volkes wird hier teilweise mit Füßen getreten. Natürlich kannst du es nicht allen Recht machen. Aber in dem Moment, wo keiner etablierten Partei eine echte Änderung/Besserung zugetraut wird, geht die Stimme derzeit zur AfD. Das ist auch aus meiner Sicht ärgerlich. Aber den Unmut über unsere aktuelle Politik und die handelnden Politiker teile ich. Und die neue Dekade beginnt aktuell mit sehr viel Konfliktpotenzial.

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2789 am: 08.März 2025, 21:25:19 »

Zitat
Lachhaft finde ich hingegen die Aussage, dass Merz der Steigbügelhalter für die AfD ist. Der Steigbügel wurde nämlich längst von der Ampel gehalten. Ein Anstieg bei der AfD um 50 % in den 3,5 Ampel-Jahren. Selbst die von dir prognostizierten 30 % wären im Verhältnis ein geringerer Anstieg. Die SPD wäre jeweils beteiligt gewesen. Und bevor bei der Ampel der Schwarze Peter wieder einmal in Richtung FDP geschoben wird. Es sind die Themen, wo SPD und Grüne mauern, die die AfD stark machen.

Die Schlussfolgerung ist etwas zu einfach - meiner bescheidenen Meinung nach.

Sieht man sich die Wählerwanderung an, so hat die AfD von CDU/CSU mehr Wahlstimmen "gewonnen", als von jeder einzelnen Ampelpartei:

- Grüne: 100.000
- SPD: 720.000
- FDP: 890.000
- CDU/CSU: 1.010.000

Ja, in Summe hat die AfD von der Ampel als Ganzes mehr hinzu gewonnen, sondern von allen. Hinzu kommt, dass die AfD mehr Nichtwählende aktivieren konnte als die anderen Parteien. Den Schuh dürfen sich also schön alle zusammen anziehen.
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2790 am: 08.März 2025, 23:00:45 »


[...]

LG Veni_vidi_vici

Nein das ist aus meiner Sicht Kalkül gewesen seitens Merz und CDU/CSU. [...]

Die Wahlprogramme aller Parteien hatten diese Lücken. Aber ja, dass von der CDU am ehesten. Dennoch hätte man ja auch damit beginnen können Förderungen für NGOs, Auslandshilfen etc. erstmal zu streichen und nicht gleich ein Sondervermögen aufzusetzen. Ich bleibe daher dabei, dass die CDU hier ein Stück weit (das Sondervermögen wird ja riesig und das entspricht halt eher den Vorstellungen der SPD-Wähler) in Richtung SPD gerückt ist. Eigenen Wählern und der Basis hat das übrigens gar nicht gefallen. Aktuell hält man sich noch zurück. Wenn es bei anderen Punkten aber keine klaren CDU-Gewinne gibt, dann kracht es auch hier eventuell nochmal.

Statt die afD zu halbieren, halbiert er die Union und bringt die afD auf 30+%. Merz ist der Steigbügelhalter für die afD und ich hasse ihn dafür.

Das stimmt so m.E.n. nicht. Merz ist kein angenehmer Mensch. Da gehe ich sogar mit. Er ist mir aber lieber als der unsichbarste und vergesslichste Kanzler ever. Er ist mir auch lieber als das lebene Paradox Weidel und ein Habeck, der seine Unfähigkeit als Wirtschaftsminister viel zu lange zeigen durfte. Die Verwunderung ist groß, dass so viele ihre Stimmen an die anderen Parteien geben. Verstehe ich persönlich nicht. Mit der aktuellen Regierung war die Mehrheit unzufrieden und es werden die gleichen lahmen Gäule ins Rennen geschickt. Söder hätte vermutlich mehr Stimmen geholt als Merz. Er hängt sein Fähnchen nach Meiner Meinung immer ziemlich nach dem Wind. Was sich zunächst  schlecht anhört bedeutet aber auch, dass er dem Willen seiner Wähler folgt. Vielleicht gibt es also Schlimmeres.

Lachhaft finde ich hingegen die Aussage, dass Merz der Steigbügelhalter für die AfD ist. Der Steigbügel wurde nämlich längst von der Ampel gehalten. Ein Anstieg bei der AfD um 50 % in den 3,5 Ampel-Jahren. Selbst die von dir prognostizierten 30 % wären im Verhältnis ein geringerer Anstieg. Die SPD wäre jeweils beteiligt gewesen. Und bevor bei der Ampel der Schwarze Peter wieder einmal in Richtung FDP geschoben wird. Es sind die Themen, wo SPD und Grüne mauern, die die AfD stark machen.

Das gilt auch für die aktuelle Koalitionsverhandlung. Die AfD wird stärker, wenn Merz sich in Sachen Asyl nicht durchsetzt. Das ist das Kernanliegen der AfD-Wählerschaft. An Merz Stelle würde ich mich auf keine Regierung mit der SPD einlassen, wenn es hier keine wesentlich strengeren Regeln gibt. Denn so bekommst du die AfD am ehesten klein(er). Persönlich verstehe ich auch nicht, warum die SPD hier dermaßen mauert. Die Mehrheit ihrer Wähler würde einen härteren Asyl-Kurs mittragen.

Was die AfD im Besonderen stark macht ist, dass die anderen Parteien zu sehr auf ihre Partei-Agenda schauen. Das Wohl oder der Wille des Volkes wird hier teilweise mit Füßen getreten. Natürlich kannst du es nicht allen Recht machen. Aber in dem Moment, wo keiner etablierten Partei eine echte Änderung/Besserung zugetraut wird, geht die Stimme derzeit zur AfD. Das ist auch aus meiner Sicht ärgerlich. Aber den Unmut über unsere aktuelle Politik und die handelnden Politiker teile ich. Und die neue Dekade beginnt aktuell mit sehr viel Konfliktpotenzial.

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Ich glaube nicht, dass die AfD kleiner wird, nur weil der Kurs in Sachen Migration strenger wird. Es gab diese Wahl einen massiven Rechtsruck in der Frage und die AfD hat ihre Stimmen verdoppelt.
Das größte Problem der Ampel war die indiskutable Außendarstellung, das ständige Gestreite, dass es der CDU leicht gemacht hat. Die Ampel war zusehr mit sich selbst beschäftigt und vor allem damit gegen die anderen Mitglieder Stimmung zu machen.


Ich sehe aber schon den nächsten großen Streit kommen, wenn der Plan mit dem alten Bundestag nicht aufgeht. Die Ampel ist auch an der Finanzierung zerbrochen, ob Schwarz-Rot sich unter der aktuellen Schuldenbremse auf einen Kurs einigen kann? Ich hoffe es sehr und noch mehr hoffe ich, dass man sich in Europa auf einen Kurs einigen kann.
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2791 am: 09.März 2025, 10:36:02 »

Man muss sich einigen, es ist die letzte Chance, sowohl Innen- als auch vor allem außenpolitisch.
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2792 am: 09.März 2025, 21:39:23 »


[...]

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Die Wahlprogramme aller Parteien hatten diese Lücken. Aber ja, dass von der CDU am ehesten. Dennoch hätte man ja auch damit beginnen können Förderungen für NGOs, Auslandshilfen etc. erstmal zu streichen und nicht gleich ein Sondervermögen aufzusetzen. Ich bleibe daher dabei, dass die CDU hier ein Stück weit (das Sondervermögen wird ja riesig und das entspricht halt eher den Vorstellungen der SPD-Wähler) in Richtung SPD gerückt ist. Eigenen Wählern und der Basis hat das übrigens gar nicht gefallen. Aktuell hält man sich noch zurück. Wenn es bei anderen Punkten aber keine klaren CDU-Gewinne gibt, dann kracht es auch hier eventuell nochmal.

Statt die afD zu halbieren, halbiert er die Union und bringt die afD auf 30+%. Merz ist der Steigbügelhalter für die afD und ich hasse ihn dafür.

Das stimmt so m.E.n. nicht. Merz ist kein angenehmer Mensch. Da gehe ich sogar mit. Er ist mir aber lieber als der unsichbarste und vergesslichste Kanzler ever. Er ist mir auch lieber als das lebene Paradox Weidel und ein Habeck, der seine Unfähigkeit als Wirtschaftsminister viel zu lange zeigen durfte. Die Verwunderung ist groß, dass so viele ihre Stimmen an die anderen Parteien geben. Verstehe ich persönlich nicht. Mit der aktuellen Regierung war die Mehrheit unzufrieden und es werden die gleichen lahmen Gäule ins Rennen geschickt. Söder hätte vermutlich mehr Stimmen geholt als Merz. Er hängt sein Fähnchen nach Meiner Meinung immer ziemlich nach dem Wind. Was sich zunächst  schlecht anhört bedeutet aber auch, dass er dem Willen seiner Wähler folgt. Vielleicht gibt es also Schlimmeres.

Lachhaft finde ich hingegen die Aussage, dass Merz der Steigbügelhalter für die AfD ist. Der Steigbügel wurde nämlich längst von der Ampel gehalten. Ein Anstieg bei der AfD um 50 % in den 3,5 Ampel-Jahren. Selbst die von dir prognostizierten 30 % wären im Verhältnis ein geringerer Anstieg. Die SPD wäre jeweils beteiligt gewesen. Und bevor bei der Ampel der Schwarze Peter wieder einmal in Richtung FDP geschoben wird. Es sind die Themen, wo SPD und Grüne mauern, die die AfD stark machen.

Das gilt auch für die aktuelle Koalitionsverhandlung. Die AfD wird stärker, wenn Merz sich in Sachen Asyl nicht durchsetzt. Das ist das Kernanliegen der AfD-Wählerschaft. An Merz Stelle würde ich mich auf keine Regierung mit der SPD einlassen, wenn es hier keine wesentlich strengeren Regeln gibt. Denn so bekommst du die AfD am ehesten klein(er). Persönlich verstehe ich auch nicht, warum die SPD hier dermaßen mauert. Die Mehrheit ihrer Wähler würde einen härteren Asyl-Kurs mittragen.

Was die AfD im Besonderen stark macht ist, dass die anderen Parteien zu sehr auf ihre Partei-Agenda schauen. Das Wohl oder der Wille des Volkes wird hier teilweise mit Füßen getreten. Natürlich kannst du es nicht allen Recht machen. Aber in dem Moment, wo keiner etablierten Partei eine echte Änderung/Besserung zugetraut wird, geht die Stimme derzeit zur AfD. Das ist auch aus meiner Sicht ärgerlich. Aber den Unmut über unsere aktuelle Politik und die handelnden Politiker teile ich. Und die neue Dekade beginnt aktuell mit sehr viel Konfliktpotenzial.

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Scholz und Habeck sind genauso schlecht. Aber das macht aus Merz keinen guten Kanzler. Weidel wird nicht Kanzlerin, soviel dürfte klar sein. Und wie Herr Rossi ja dargestellt hat, hat die afD am meisten von Wechselwählern aus Richtung Union und FDP profitiert (sieht man von den Nichtwählern ab). Warum haben denn über 1 mio. Wähler eben nicht die Union unter Merz gewählt. Da hat Merz sicher ganz viel Anteil dran. Und nach den letzten Tagen dürfte sich dieser Effekt verstärken. Tendenziell dürfte im Moment die spD die Hosen anhaben, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Ist für Merz keine gute Nachricht, wird er doch so als schwach und nicht wirklich als Kanzler gesehen.


@Tim Twain :
Warum die afD trotz Rechtsruck der anderen beim Thema Migration (selbst der Grünen) soviele Stimmen holen konnte? Wen wählst du am ehesten? Das Original oder die Kopie, die sozusagen auf den Zug aufspringt. Und nach den letzten Tagen scheinen sie damit auch richtig zu liegen, denn Merz kassiert das ja alles jetzt ganz schnell ein. Das wird eher dazu führen, dass man der Union in dem Thema nicht mehr vertraut. Profiteur ist dabei wieder die afD. Die Ampel hatte halt mit fdP und den Grünen 2 extreme Pole (nicht unbedingt bei Migration) die halt nicht durch die spD moderiert wurden und so Kompromisse eingehen konnten. Deshalb flogen halt die Fetzen. Ohne Schuldzuweisung war das ein Scheitern mit Ansage. Sehe ich bei der "GroKo" (so man sie so nennen will, wenn die spD bei 16% hängt) nicht so stark gegeben, zumal Merz sich ja von der spD am Nasenring durch die Manege führen lässt.
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2793 am: 09.März 2025, 21:57:16 »

Und wie Herr Rossi ja dargestellt hat, hat die afD am meisten von Wechselwählern aus Richtung Union und FDP profitiert (sieht man von den Nichtwählern ab). Warum haben denn über 1 mio. Wähler eben nicht die Union unter Merz gewählt.

Weil es einen generellen Rechtsruck gegeben hat. Und von der CDU geht es halt aktuell nicht viel weiter nach Rechts. Die Wechsel von der SPD zur AfD sind doch viel extremer und haben für mich daher auch mehr Gewicht. Aber der von mir angesprochene Rechtsruck wird ja auch dadurch ersichtlich, dass von der SPD 1,76 Mio. Wähler zur CDU gewandert sind. Ist das auch Merz "Schuld"? Wobei wir über einen Kanzler Merz gerne diskutieren können. Bin da auch nicht der größte Fan. Hätte sicherlich in den Kreisen der CDU bessere Kandidaten gegeben. Nur von der Ausrichtung finde ich es richtig. Er knickt aber tatsächlich schon zu viel ein. Und das spielt dann tatsächlich der AfD in die Hände - lässt sich aber vermutlich ohnehin kaum mehr aufhalten.

zumal Merz sich ja von der spD am Nasenring durch die Manege führen lässt.

Finde ich aktuell noch schwer zu sagen. Aber ein paar Formulierungen deuten ein wenig darauf hin. Ob dann aber die Parteibasis ihr okay gibt oder ob die Grünen überall mitstimmen, ist ja auch noch eine andere Frage. Um dir bei dem Zitat zuzustimmen, ist es mir noch ein wenig zu früh. Vielleicht hole ich das später noch nach - ich hoffe aber nicht. Immerhin kommen bei Bürgergeld und Asyl Bewegung rein. Wenn andere europäische Staaten mitziehen, kann es durchaus funktionieren. Mir gefällt es aber nicht, dass im Zweifel von anderen abhängig zu machen. Gemeinsame Lösung ist richtig. Falls das aber nicht klappt, muss sich ja trotzdem etwas ändern.

Das größte Problem der Ampel war die indiskutable Außendarstellung, das ständige Gestreite, dass es der CDU leicht gemacht hat. Die Ampel war zusehr mit sich selbst beschäftigt und vor allem damit gegen die anderen Mitglieder Stimmung zu machen.

Das Märchen (meine Meinung) der Außendarstellung hat die Ampel glaube ich mit Beginn des Heiz-Desasters zu erzählen begonnen. Sehe ich persönlich anders. Klar war die Außendarstellung eine Katastrophe. Aber das klingt immer so, als wäre es sonst ganz gut gewesen - was es aber nicht war. Und es war halt nicht nur die Außendarstellung. Das war für mich der kleinere Teil. Gebrochene Versprechen (wir schieben ab, Bürgergeld wird jetzt gekürzt, dies geht nicht, das geht nicht statt Lösungen zu suchen), handwerkliche Fehler (Heizgesetz m.M.n.) und Vieles andere, aber die Außendarstellung ist nur das letzte Mosaik in dieser Kette.

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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2794 am: 09.März 2025, 22:25:13 »

Zum Rechtsruck : Die Union steht weiter links als sie es früher tat. Es gibt also tatsächlich einen demokratischen rechten Raum neben der cdU, genau wie es einen linken demokratischen Raum links der spD gibt. Dieses Rennen zur "Mitte" hat halt die Ränder geöffnet. Links hat sich halt schnell die Linkspartei dort etabliert, jetzt ist es die afD rechts. Aber : Beide haben gehen teilweise über diese Grenze hinaus (meine persönliche Meinung). Tatsächlich sollte die cdU wieder den Slogan beherzigen : Rechts von uns ist im demokratischen Spektrum kein Platz mehr. Vor allem da dank Brandmauer für die cdU momentan nur eine Koalition mit eher linken Kräften bleibt, was wiederum der afD nützt, vor allem in Anbetracht der "Schwäche" der cdU diesen gegenüber. Um wirklich wieder eine bürgerliche Regierung stellen zu können hilft eigentlich nur eine cdU mit 35+% und eine FDP mit 5+%. Die FDP kann dies im Moment aber nicht. Also muss (theoretisch) die cdU wieder auf 40+% kommen, um ohne spD und Grüne regieren zu können.
Das erklärt auch warum viele spD-Wähler von der spD zur cdU wandern konnten. Die Unterschiede sind nicht mehr so groß, da auch die spD nicht mehr so weit links steht wie vor 10-15 Jahren. Dementsprechend ist der Weg von spD zur cdU und umgekehrt gar nicht mehr so weit.
Meine Befürchtung auf lange Sicht ist : Die spD und cdU nähern sich weiter an und Linkspartei und afD übernehmen sozusagen die Volkspartei-Rolle und decken die Ränder ab, aber auch darüberhinaus.
Generell müssen wir jetzt abwarten was die Sondierungen bringen. Es sieht nicht wirklich gut aus, scheitern dürfte es aber nicht, weil eine erneute Wahl zu noch schlimmeren Ergebnissen führen könnte. Ich hoffe dass auch in der spD der letzte verstanden hat, was jetzt nötig ist.
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2795 am: 09.März 2025, 23:06:59 »

Welche positionen der cdu waren denn früher weiter rechts?
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2796 am: 10.März 2025, 14:58:01 »

Die Frage wäre: wann ist früher und wann jetzt? Bzw. wann ist früher vorbei und wann hat jetzt begonnen.
Wenn wir Regierungshandeln als Maßstab nehmen, dann fallen mir gerade ein:

- AKWs
- Mindestlohn
- Wehrpflicht
- Einbürgerungen
- Mietpreisbremse
- "Ehe für alle"
- Frauenquoten in Aufsichtsrat und Vorstand
- ...

Noch früher war es noch anders und jetzt-jetzt ggfs. ein wenig "rechter"/konservativer als direkt vor "jetzt.
Da muss man aber abwarten.
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2797 am: 10.März 2025, 15:14:15 »

Man kann aber nicht einfach die Regierungen heranziehen, die Wahlergebnisse waren eben oft so, dass die CDU die SPD brauchte. Mindestlohn und Mietpreisbremse wollte die Union nie, das hat die SPD durchgesetzt. Die Ehe für Alle ist auch gegen eine große Mehrheit der Unionsstimmen durchgesetzt worden.
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http://www.meistertrainerforum.de/index.php/topic,11878.1120.html
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2798 am: 10.März 2025, 15:33:21 »

Man kann aber nicht einfach die Regierungen heranziehen, die Wahlergebnisse waren eben oft so, dass die CDU die SPD brauchte. Mindestlohn und Mietpreisbremse wollte die Union nie, das hat die SPD durchgesetzt. Die Ehe für Alle ist auch gegen eine große Mehrheit der Unionsstimmen durchgesetzt worden.

Die CDU war immer gegen Mindestlohn und setzte auf Marktmechanismen ohne Eingriff des Staates. 2014 hat sie sie mit der SPD eingeführt. Aber heute ist sie mehr oder weniger dafür. 2022 stimme sie, obwohl sie Opposition war, der Erhöhung zu. Was bleibt ist, dass die CDU etwas vorsichtiger damit umgehen will.

Auch der Mietpreisbremse wurde nach langjähriger Ablehnung zugestimmt mit Vorbehalten. Auch hier war die CDU liberaler und wollte eher Anreize setzen und den Bau neuer Wohnungen fördern. Der einzige Vorbehalt ist, dass die Mietpreisbremse nicht dem Neubau im Weg stehen darf und dort der Hauptaugenmerkt liegen sollte.

Die Ablehnung der "Ehe für alle" war auch fest verankert. Am Ende wurde sie allerdings nur noch von der Fraktionsdisziplin gehalten. Als die fallen gelassen wurde, wurde in der CDU in dem Thema ein Bewegung Richtung sozialer Liberalisierung erkennbar.


In allen Beispiele hat sich die Haltung der CDU innerhalb der letzten 20 Jahre geändert. Klar, war da auch immer die SPD dabei. Aber so ist das nunmal bei unserem System. Der Grund ist aber egal, wenn man beobachten will, dass sich die Partei verändert hat: Komplette Ablehnung wich pragmatischer Zustimmung mit Vorbehalten und Fokusierung auf bestimmte Einschränkungen und eine differenziertere interne Debattenkultur. Heute wird nicht gesagt, dass das nur die SPD wolle und man dafür xy bekommen hat. Die Position der CDU ist heute eine andere.

Wenn man an die AFD daneben legt: Sie lehnt Mindestlohn, Mietpreisbremse und "Ehe für alle" ab. Damit ist die AFD bei diesen drei Positionen mehr oder weniger das, was die CDU vor 20 Jahren war. Sogar die Argumente und Überzeugung sind ähnlich.
« Letzte Änderung: 10.März 2025, 15:39:30 von DragonFox »
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Re: Die Qualen mit den Wahlen - Der Politikthread
« Antwort #2799 am: 10.März 2025, 16:06:59 »

Man kann sicher diskutieren, was originäre CDU-Politik ist und welche Koalitionskröten sie geschluckt hat.
Aber dass sie allein dazu bereit war, ist schon aussagekräftig, nach links.
Daher sehe ich das so wie DragonFox.

Dazu passen zwei alte Mottos des Konservatismus:
1. Der richtige Zeitpunkt für Veränderungen ist immer der spätbestmögliche.
2. Konservatismus ist die Kanonisierung der Häresie aka "Wir bekämpfen die Linken durch Übernahme ihrer Postionen".
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