Ich bin ein klarer Befürworter von "Sonderrechten für Geimpfte".
Basis meiner Argumentation: Der Lockdown dient ausschließlich der Vermeidung schwerer Covid-Verläufe und dem Schutz der Intensivkapazitäten. Weiterhin dem Schutz vulnerabler Gruppen. Inzwischen gibt es Impfstoffe, die sicher vor schweren Verläufen schützen (Quellen siehe mein vorheriger Post). Sehr wahrscheinlich, aber noch nicht sicher bewiesen, ist auch ein Schutz vor Mutanten und vor Übertragung. Die Entspannung auf den Intensivstationen trotz hochbleibender Inzidenzen ist ein Beleg. Die Impfung entzieht dem Lockdown die Existenzberechtigung.
Der Lockdown wird also weniger notwendig. Gleichzeitig aber ist der Schaden für Selbstständige, Arbeitnehmer, Eltern und schulpflichtige Kinder gleichbleibend hoch. Das Gleichgewicht verschiebt sich zunehmend in die Negativrichtung.
Frage: sollen alle durch den Lockdown, nicht die Erkrankung, Geschädigte weiterhin Schaden erdulden müssen, obwohl es täglich mehr Personen gibt, die gefahrlos konsumieren könnten? Mit welcher Begründung wäre das zu rechtfertigen? Mir fällt nur der Selektionsdruck auf das Virus ein, wenn kein ausreichender Impfschutz auf eine Pandemie trifft und sich damit impfstoffentziehende Mutanten schneller und leichter durchsetzen. Ein wichtiger Punkt, den es zu überdenken gilt. Wenn ich jedoch regelmäßig schnellteste, ließe sich auch das vermindern. Eine Beibehaltung des Lockdowns sehe ich also - für die Geimpften mindestens, nicht als vermittelbar an. Hier könnte man bereits von Sonderrechten sprechen.
"Sonderrechte für Geimpfte" werden aber spätestens dann wirklich relevant, wenn genügend Impfstoff vorhanden ist und Menschen sich einfach nicht impfen lassen wollen. Sicher, das ist ihr gutes Recht. Aber dann sollen Sie auch das Recht der anderen Menschen respektieren auf Bewegungsfreiheit im Pandemiebefreiten Raum.
Kurze Randbemerkung: ich gehe aus meiner Sicht davon aus, dass wir im Sommer die Pandemie unter Kontrolle haben - vorausgesetzt, es entsteht keine Mutante, gegen die der Impfstoff gar nicht wirkt. Das halte ich aber für unwahrscheinlich. Unser Amtsarzt hier in Remscheid, der sehr aktiv in der Pandemiebehandlung ist, hat mir gestern wörtlich gesagt: "Im Juni ist Remscheid pandemiefrei." So optimistisch bin ich zwar nicht, aber auf September würde mich mich einlassen. Begründung: wesentlich bessere Impfstoffverfügbarkeit in den Impfzentren, Hinzunahme der Arztpraxen, Zulassung des nur einmal zu applizierenden Johnson&Johnson-Impfstoffes, Zulassung des CureVac-Impfstoffes, neue Erkenntnis des Handling der bekannten Mutanten mit bekanntem Impfstoff (z.B. dritte Impfung mit BioNTech).