[...] Wenn die BRD sich für Reparationszahlungen zuständig fühlt, ist das für mich im Umkehrschluss aber ncihts anderes, als wenn sich die BRD als Nation mit dem 3. Reich identifiziert. Genau das, was eigentlich NIEMANND will. Andererseits muss ich sagen, dass sie meinetwegen bezahlen sollen. Mehr an die Wands fahren, als es ohnehin shcon passiert ist kann man unseren Staat ohnehin fast nicht mehr.
Naja, aber wer soll denn sonst für den Schaden aufkommen? Es waren nunmal die Deutschen, die Hitler gewählt haben, es waren die Deutschen, die mitgemacht haben bei der Aufrüstung, es waren die Deutschen, die im Freundentaumel gelebt haben, als Frankreich innerhalb von 4 Wochen überrannt wurde. Natürlich haben nicht alle mitgemacht, die wenigstens waren wirklich Nationalsozialisten, aber es ist doch jeder mitmarschiert. Und dass die entstandenen Schäden nicht innerhalb einer Generation, von einem dezimierten Volk in einem zerstörten Land getragen werden können, ist klar.
Ich weiß aber auch nicht, warum du dich überhaupt über Reparationszahlungen beschwerst. Letztendlich hat die BRD doch fast gar keine geleistet. Wie gesagt, gerademal 4% der (im Vergleich zum Versailler Vertrag deutlich humaneren) Reparationen wurden gezahlt, davon 0,4% von der BRD. Seit 1953 sind die Zahlungen komplett ausgesetzt, weil Westdeutschland als Bollwerk gegen den Kommunismus aufgebaut werden sollte. Also über Reparationen nach dem 2. WK sollte sich kein Deutschen beschweren, immerhin wurde da fast nichts geleistet.
Und dann mal eine theoretische Überlegung: Hätte Deutschland Reparationen in vollem Umfang abgeleistet, wäre das überhaupt nicht schlimm gewesen. Schließlich ist Deutschland ja eine glorreiche Exportnation und wenn sie im europäischen Geldmarkt Geld reinpumpen, dann kommt ihnen das letztendlich ja wieder zu Gute.
Ob der Staat "gerade" an die Wand gefahren wird oder ob dieser Prozess nicht schon unter Helmut Schmidt begann (wenn mensch sich jetzt auf das Problem der offenen Finanzmärkte, der hohen Schuldenaufnahme und der Exportausrichtung konzentriert) oder ob er überhaupt vor die Wand gefahren wird, ist fraglich. Ich möchte daran erinnern, das bis jetzt KEIN CENT des deutschen Steuerzahlers nach Griechenland gegangen ist. Das wissen viele leider überhaupt nicht, weil Rettungsschirme/und dergleichen im BILD-Niveau dermaßen aufs Lächerliche heruntergebrochen werden, dass sie mit der Realität nichts mehr zu tun haben. Nochmal: die Milliarden, die immer wieder im Raum schweben, das ist kein Geld, das nach Griechenland überwiesen wird. Das Geld ist noch in vollem Umfang in den Staatskassen. Es wurden bisher zum größten Teil lediglich Garantien für Kredite ausgesprochen.
Die Sache ist eigentlich recht leicht. Um an Geld zu kommen, gibt ein Staat Staatsanleihen aus. Darin gibt eine Bank ihm quasi ein Kredit zu einem bestimmten Zinssatz. Diese Staatsanleihen sind sehr beliebt, da sie immer als risikolos betrachtet wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Staat pleite geht, ist gering, da seine Ein- und Ausgaben, anders als bei Wirtschaftsunternehmen, sehr leicht kalkulier- und regelbar sind. Den Banken ging es jahrelang unheimlich gut. Die Staatsanleihen ermöglichten fest kalkulierbare Einnahmen, das Privatgeschäft mit ganz normalen Menschen war nur noch so ein Spaß nebenbei und weil es zu langweilig ist, einfach nur auf die Einnahmen von Staatsanleihen zu warten und weil die Gewinnspannen nicht ganz so hoch sind, wurde eben kräftig mitspekuliert auf den internationalen Finanzmärkten (was seit Schmidt, spätestens aber seit Schröder bedenkenlos möglich war und kaum einer Kontrolle unterlag). Der Spekulationsanteil wuchs und macht schon bald etwa 30% des Bankenvolumens aus (47% waren noch Staatsanleihen, 15% Industriekredite und 8% das lächerliche Tagesgeschäft mit ganz normalen Menschen). Tja, die Spekulationsblasen sind relativ massiv geplatzt. Das hatte zur Folge, dass Banken enorme Abstriche machen mussten (vor allem weil sie mit höheren Gewinnen aus Spekulationsgeschäften schon kalkuliert hatten), dabei haben sie gemerkt, dass sie da mit Geld spekuliert haben, dass sie gar nicht hatten (Stichworte Geldgenerierung bei Kreditgebung/Eigenkapital 10%/oder einfach nur Geldanleger). Jedenfalls waren Banken nun kurz vor der Pleite (Lehman hat es erwischt). Das hatte zur Folge, dass das Geschäft mit den Staatsanleihen nochmal genau überprüft wurde. Nun gibt es 2 Versionen, wahrscheinlich stimmt ein Mittelding aus beiden:
1) Banken wollten für ihre Anteilseigner die Verluste ausgleichen, indem sie höhere Gewinne in ihrem 2. Kerngeschäft, den Staatsanleihen, generierten. Zu dieser Version passt, dass die Rating-Agenturen mehrheitlich den Banken gehören und diese erst nach der Bankenkrise angefangen haben, bestimmte Länder massivst abzuwerten, obwohl sich die Situation dieser Länder nicht großartig verändert hatte...diese These wird vor allem von kapitalismusskeptischen Ökonomen vertreten
2) die Banken haben im Zuge der Spekulationsblase ihre anderen Geschäfte genauer untersucht und festgestellt, dass Staaten wie Griechenland eigentlich hochverschuldet sind und ihnen die Staatsanleihen zu billig (=niedrigen Zinssatz) abgekauft werden
Jedenfalls erhöhten sich die Zinsen für Staatsanleihen rapide. Deshalb steht Griechenland kurz vor der Zahlungsunfähigkeit, sie sind auf Staatsanleihen, wie jedes andere Land, dringenst angewiesen. Die Banken hatten aber selbst das Messer an der Kehle, konnten die Zinsen also nicht langsam anheben, sondern mussten sofort in ihren Büchern gewisse Gewinnspannen vermerken, um selbst nicht Pleite zu gehen. Da das, wie jedes andere Land, verschuldete Griechenland aber nicht garantieren konnte, dass sie eine Staatsanleihe über 10% in 10 Jahren noch bedienen könnte, die EU und vor allem Deutschland aber auf Abnehmer ihrer Exportprodukte angewiesen ist, haben sie eben Garantien oder Bürgschaften für diese Kredite ausgesprochen. Anfangs noch, um die Zinsen zu senken und ein besseres Rating zu erzielen, da war aber noch nicht bekannt, wie prekär die Lage der Banken war. Mittlerweile werden keine Bürgschaften mehr abgeschlossen, um ein besseres Rating zu erzielen (also Vertrauen in griechische Zahlungsfähigkeit wiederherzustellen), sondern um die Banken am Leben zu halten.
Ein Student in meinem letzten Tutorium hat das glänzend begriffen, indem er die Frage in den Raum gestellt hat, wieso die EZB und Deutschland, die beide das beste Rating haben, wenn sie für Griechenland Bürgschaften aussprechen das Rating nicht automatisch auch auf das höchste Rating gesetzt wird. Das Prinzip der Bürgschaft sagt ja gerade, dass ein Gläubiger einem Schuldner nicht vertraut und er deshalb einen vertrauenswürdigen Bürgen braucht. Da ein Bürge mit bestmöglichem Rating gefunden wurde, ist das Risiko gleich 0 und daher hätten auch die Zinsen niedrig sein müssen. Das waren sie aber nicht, trotz Bürgschaften in Milliardenhöhe musste Griechenland sogar immer höhere Zinsen zahlen. Der Grund dafür ist einfach der, dass die Banken das Geld dringen brauchen, um ihre eigenen Verluste auszugleichen.
Also nochmal in Kurzform: eine deutsche Bank kauft griechische Staatsanleihen, damit Griechenland deutsche Exportgüter abkauft, denn die Firmen, die diese herstellen, haben Kredite bei deutschen Banken, diese haben also ein Interesse daran, dass die Firmen ihre Produkte auch verkaufen. Ein glänzendes System, fast schon ein Kreislauf, Griechenland bekommt billiges Geld, das bekommen die Firmen für ihre Waren, die wiederum können damit ihre Kredite bezahlen, die sie bei deutschen Banken aufgenommen haben. So ist das Bankensystem gedacht.
Jetzt kommt die selbstverschuldete Beinahepleite einer beliebigen deutschen Bank ins Spiel. Diese verlangt nun höhere Zinsen für Staatsanleihen, um das eigene Überleben zu sichern. Das bringt Griechenland vor höchste Probleme, denn sie sind weiterhin auf Exporte von deutschen Firmen angewiesen. Sie können eigentlich nicht mehr zahlen, stehen kurz vor dem Bankrott. Jetzt kommt der deutsche Staat ins Spiel, der noch eine hohe Kreditwürdigkeit hat (obwohl ebenfalls hochverschuldet). Er spricht Bürgschaften für Kredite in Milliardenhöhe aus. Das macht er aus 2 verschiedenen Gründen:
1) Griechenland muss weiterhin zahlungsfähig bleiben, damit sie weiterhin von deutschen Firmen kaufen, die damit ihre Kredite bedienen können und somit Arbeitsplätze sichern.
2) diese deutsche Bank darf nicht Pleite gehen, denn sie kauft ja auch deutsche Staatsanleihen und auf dieses Geld ist der deutsche Staat ebenso angewiesen.
Dass dieses System pervers ist, steht außer Frage. Ob es ein Weg ist, ein Land vor die Wand zu fahren? Ich denke nicht, letztendlich sind alle untereinander irgendwie abhängig. Die Banken haben ja auch kein Interesse daran, Griechenland pleitegehen zu lassen, denn dann gibt es weniger Abnahme der Ware, die deutsche Firmen herstellen, die Kredite bei dieser deutschen Bank haben, wodurch diese wieder Verluste machen. Wird klar, worauf ich hinaus will?
Die einzigen Verlierer in der ganzen Geschichte sind die Griechen. Bei ihnen werden zwangsweise, auf Befehl von Deutschland für die Bürgschaften, die Steuern erhöht, Sozialleistungen gestrichen, Beamte aus dem Staatsdienst entlassen, etc. Während die deutschen Arbeitsplätze in der Exportindustrie geschützt werden und während die deutschen Banken künstlich am Leben erhalten werden, wird Griechenland ausgequetscht. Und Griechenland wird nicht das einzige Land bleiben.
Jedenfalls möchte ich nochmal festhalten, dass bisher kein Cent von deutschen Steuergeldern an Griechenland geflossen ist. Das sind alles Bürgschaften. Die einzigen Schweinehunde, die bisher Geld vom deutschen Steuerzahler bekommen haben, sind die Banken. Allen voran die HRE, dort wurden REALE 170 Milliarden hineingesteckt.
Die Medien lenken mit ihrem Griechenland-Bashing bisher sehr erfolgreich vom eigentlich logischen Hetzziel Nr. 1 ab: den Banken. Würden die Medien den wirklich schuldigen an der Misere mal benennen (das sind nicht die griechischen Beamten!!!), dann würde es bei den Banken sehr ungemütlich werden. Warum tun sie das nicht? Tja, vielleicht weil auch Medienkonzerne sehr große Kredite bei den deutschen Banken aufgenommen haben und auch weiterhin immer wieder neue Kredite brauchen. So ergibt sich eine wundervolle Abhängigkeit.