Schon ein seltsames Volk da unten: http://nachrichten.t-online.de/athen-will-reparationsforderungen-an-deutschland-pruefen/id_59423954/index
Hmm... Sollen ihre Forderungen einfach ans Deutsche Reich stellen. Gespannt ob da ne Antwort kommt...
Ganz unrecht haben sie aber nicht.
Griechenland hat de facto keine Cent von der BRD erhalten, hatte aber die sechsthöchsten Ansprüche. 1945 gab es das Potsdamer Abkommen und 1946 gab es die Pariser Reparationskonferenz, auf denen deutsche Reparationszahlungen beschlossen wurden. Die weitaus größten Schäden waren in der Sowjetunion zu verzeichnen, vor allem durch die verbrannte Erde-Taktik, die Hitler seit 1943 als Handlungsdogma für Rückwärtsbewegung herausgegeben hat (Frankreich, die Niederlande und Belgien waren im Vergleich dazu fast völlig unversehrt). Jedenfalls durften sich die Sowjets nach dem Abkommen auch aus westlichen Besatzungszonen bedienen, da die eigene Besatzungszone bei weitem nicht genug verwertbare Materialien bot. Im Gegenzug für den Abbau der Industrieanlagen sollten die Sowjets die westlichen Besatzungszone mit Nahrungsmitteln versorgen. Das lehnte die Sowjetunion aber ab, da die eigene Versorgung total am Boden lag und die Versorgung der eigenen Besatzungszone schon nicht gesichert war. Sie argumentierten damit, dass die USA völlig intakt geblieben ist, da keine einzige Bombe auf amerikanisches Kernland gefallen sei und sie fähig wären, die westlichen Besatzungszonen zu beliefern.
Jedenfalls führte der Streit dazu, dass die Russen keine Reparationen mehr aus den westlichen Zonen bekamen und daraufhin ihre eigene Zone deindustrialisiert haben (mit dem Abbau der Fabrikanlagen, die dann im tiefsten Russland wieder aufgebaut wurden ging auch die "Verschleppung" von deutschen Wissenschaftlern einher. Das Wort steht deshalb in Anführungsstrichen, weil die Wissenschaftlicher größtenteils nicht gegen ihren Willen mitgenommen wurden und sie im Prinzip wie die Made im Speck gelebt haben die nächsten 10 Jahre). Dies begriffen die Westmächte dann als Chance, den ohnehin stark geschwächten Osten einzudämmen. Sie verschleppten jegliche Reparationszahlungen der BRD, wohingegen die Sowjets nicht so weitsichtig waren und sich fast vollständig aus den ostdeutschen Beständen bedienten (gerade Sachsen war ja hochindustrialisiert), um damit auch die Reparationen ihrer Satellitenstaaten (Jugoslawien, Tschechoslowakei) zu begleichen. Während also die Russen fast die gesamte Industrie abbauten, ließen die Westmächte die westliche Zone intakt, um sie gegen die Russen zu stärken.
Als es in der DDR 1953 zum Volksaufstand kam, der unter anderem durch die Ausbeutung durch die Reparationsabbaumaßnahmen ausgelöst wurde, stellten auch die Sowjets die Durchsetzung von Reparationsforderungen ein. Bereits früher, am Anfang des Jahres, wurde in London ein Schuldenabkommen unterzeichnet zwischen Deutschland und den Westmächten (Frankreich, USA und GB). Darin wurden die Forderungen vor dem 2. WK aus dem Versailler Vertrag als beglichen betrachtet (obwohl sie das bei weitem noch nicht waren) und von der Durchsetzung der Forderungen aus dem 2. WK bis auf Weiteres abgesehen.
Schon damals waren die Griechen die leidtragenden. Belgien, Holland und Frankreich waren größtenteils völlig intakt, Jugoslawien war ungefähr im selben Ausmaß zerstört wie Griechenland (vermutlich sogar etwas mehr), bekam aber von den Sowjets massive Hilfe. Griechenland stand, auch wegen seiner militärisch unbedeutenden Lage, alleine da. Die haben keinen Cent erhalten, waren nicht Teil der Wirtschaftsaufbaupläne des Westens (wieder wegen der unbedeutenden Lage zu der UdSSR) und auf sich allein gestellt.
Als der Kalte Krieg dann vorbei war, hat Deutschland bilaterale Entschädigungsabkommen unterzeichnet mit den ehemaligen Ostblockstaaten Polen, Russland, der Ukraine, Weißrussland, Estland, Lettland, Tschechien und Litauen. Auch hier blieb Griechenland völlig außen vor. Die letzte Reparationszahlung ist meiner Meinung nach 2010 überwiesen worden, seitdem ist da ein Schlussstrich drunter. Trotzdem hat Deutschland bisher jedem einzelnen Land Geld in Form von Reparationen gezahlt, außer Griechenland.
So völlig unberechtigt sind die Forderungen also im Prinzip nicht. Dass die Forderung nun ausgerechnet jetzt gestellt wird, mag für Deutsche eingeschnappt und beleidigt wirken, letztendlich ist das aber egal. Deutschland hat enormen Schaden in Griechenland angerichtet und den Griechen hat niemand geholfen, wohingegen gerade die deutschen von den Westmächten ganz erhebliche Hilfe im Wiederaufbau erhalten haben. Es kann nicht sein, dass ein Land mordend und marodierend durch Europa zieht, dabei ein anderes in Schutt und Asche legt und nachdem es dann doch besiegt wurde am Ende besser dasteht, als das Land, dass dem Erdboden gleichgemacht wurde.
Nebenbei ein kleiner Fakt zur Einordnung: Deutschland hat nach 1945 in etwa 4% seiner Kriegsschäden ausgeglichen. Von diesen 4% entfallen 98% auf die DDR, die restlichen 2% (von 4) hat die BRD geleistet. Es kann also niemand behaupten, dass Deutschland schon "genug gezahlt" hätte. Klar ist die Frage berechtigt, ob diese Forderungen nicht irgendwann auch mal verjähren, aber erstens ist das keine Entscheidung die die Deutschen als Schuldner zu treffen haben und zweitens haben die Griechen im Laufe der Zeit immer wieder versucht, Reparationen zu erwirken, vor allem nachdem sie nicht in die zahlreichen Wiederaufbaupläne und Wiederbewirtschaftungspläne der Westmächte integriert wurden. Aber die Lobby der Griechen war einfach zu klein, die Interessen der Westmächte, die BRD als Schutz und Aushängeschild vor der DDR zu platzieren, waren zu stark.
Und dann kommt auch die Stimmung der Griechen, Deutschland wäre ja auch ein bisschen Mitschuld an der griechischen Misere, nicht von ungefähr. Die Griechen könnte ja auch sauer auf die Franzosen sein, aber das sind sie zu Recht nicht. In Deutschland wird ja immer so getan, als lebten die Griechen die letzten Jahrzehnte dekadent (haufenweise Beamte), verschwenderisch (14 Monatsgehälter) und als betrögen dort alle die Steuer. Naja, als die Kosten des Beamtenapparates sind in Griechenland in Relation zu Deutschland ungefähr 30% geringer, auch die 14 Monatsgehälter sind nicht so extrem, wenn mensch sich anschaut, wie hoch die eigentlich sind. Das Problem ist die deutsche Außenhandelsbilanz in Europa. Fast alle wirtschaftlichen EU-Beschlüsse haben den Export massiv gefördert, ob das nun die Zollaufhebung, der freie Verkehr von Waren, der freie Verkehr von Kapital, der freie Verkehr von Arbeitskraft oder der Zwang "zur Mindestabnahme" innerhalb der EU war. Das bedeutet, dass fast alle wirtschaftlichen EU-Beschlüsse der letzten Jahre im Interesse Deutschlands gefallen sind. Deutschland hat sich immer als Exportweltmeister gefeiert, ohne auch nur im Geringsten zu beachten, auf wessen Kosten das eigentlich geschieht. Die Griechen haben seit 20 Jahren eine negative Außenhandelsbilanz, weil sie in der EU nur billige Agrarprodukte in den Markt geben, Deutschland dafür mit ungleich teureren Rüstungsgütern, Maschinen, und technologischen Produkten den europäischen Markt dominiert. Diese negative Außenhandelsbilanz war all die Jahre bekannt und kein Problem.
Wenn heute behauptet wird, die Griechen hätten nie in die Euro-Zone aufgenommen werden dürfen, kann ich nur lachen. Ich kann aus dem Stehgreif 10 Interviewbeiträge heraussuchen, in denen Kohl, Schröder und andere deutsche Politiker unter anderem Griechenland und Co. in Kenntnis ihrer hohen Staatsverschuldung und extrem negativer Handelsbilanz unbedingt in die Eurozone lassen wollen. Griechenlands Staatsverschuldung ist ja nicht in den letzten 5 Jahren unentdeckt angewachsen, sondern in den letzten 15 Jahren durch unglaubliche Handelszahlen (insbesondere mit Deutschland) explodiert. Das war nie ein Problem, weil deutsche Banken immer wieder billig griechische Staatsanleihen gekauft haben und versprochen haben, dies weiter zu tun, wenn sie nur weiter damit die Produkte von deutschen Firmen kaufen, von denen die Banken Anteilseigner sind (und das sind sie von fast allen), sodass es den Griechen natürlich egal war.
Dann kam die Bankenkrise und die deutschen Banken sind auf einmal kurz vor dem Bankrott, weil sie auf dem amerikanischen Investitionsmarkt kräftig mitgemischt haben. Und da es den Banken plötzlich schlecht geht, wollen sie den Griechen keine Staatsanleihen mehr abkaufen, weil sie Angst haben, dass das zur nächsten Blase führen könnte, die sie dann nicht mehr überleben.
Und plötzlich stecken die Griechen weiterhin in all den Verträgen mit deutschen Firmen fest, haben ihre eigene Maschinen-Wirtschaft vernachlässigt, weil sie sich auf die deutsche Exportindustrie verlassen haben und kriegen plötzlich kein Geld mehr, um ihre Verpflichtungen im Außenhandel zu erfüllen.
Und für diese Unlogik, für diese Raffgier deutscher Unternehmen, deutscher Banken, die lieber die Griechen, Portugiesen, Spanier und Italiener verkaufen, als für ihre eigenen Fehler geradezustehen, müssen nun die Menschen in diesen Ländern, die vorher alles andere als dekadent gelebt haben (der durchschnittliche Grieche arbeitet 2 Stunden mehr in der Woche als der Deutsche), bluten. Und ganz nebenbei wird auf diesen Ländern rumgehackt, dass sie angeblich Geld vom Deutschen Steuerzahler für ihre faule Arbeit bekommen würden, obwohl das in keinster Weise stimmt. Der deutsche Steuerzahler gibt kein Geld, er gibt lediglich Garantien für Kredite ab, damit deutsche Banken weiterhin griechische Staatsanleihen kaufen können, ohne Angst haben zu müssten, dass diese platzen, damit deutsche Unternehmen (deren Teilhaber die deutschen Banken sind) weiterhin ihre Waren an europäische Staaten verkaufen können. Das ist nicht nur unglaublich ungerecht, das ist tatsächlich in gewisser Weise mit der Machtausübung der Nazis vergleichbar. Es sind keine Extremisten, die Merkel oder andere Deutsche Politiker neben Hakenkreuzen abbilden, es sind lediglich Leute, die die Wahrheit erkannt haben, die in Deutschland hinter neid-erhaschenden Pseudofakten wie 14 Monatsgehältern versteckt wird.
Wenn ich all das in Betracht ziehe, unterstütze ich die Forderung der Griechen nach deutschen Reparationszahlungen voll und ganz. Nicht weil ich will, dass Deutschland vor die Hunde geht, aber es wäre ein Funken Gerechtigkeit und es ist fast die einzige Waffe, die die Griechen gegen die Deutschen haben. Denn die Interessen der Griechen werden wiedermal, wie schon nach dem 2. Weltkrieg, von keiner Sau beachtet. Meine Hoffnung ist, dass auch Spanien, Portugal und Italien das erkennen und den Franzosen und Deutschen Druck im Kessel machen. Denn wenn diese 4 Länder aus der Eurozone ausscheiden, hat Deutschland plötzlich niemanden mehr, der ihnen ihre Waren so günstig abkauft. Dann wäre die alberne deutsche Exportwirtschaft hoffentlich auch mal am Ende und es würden hier wieder faire und angemessene Löhne gezahlt werden, damit die Binnenwirtschaft angekurbelt wird.
So, war etwas viel, musste mal raus