Ich sitze immer noch am FM08, mit vielen Pausen dazwischen. Wenn ich in jedem Spielstand über kurz oder lang jeden Drittligisten in die CL führen würde, hätte ich vielleicht auch keine Motivation mehr. Hier sind anscheinend schon einige Cracks unterwegs, die entweder durch exzessives Spielen oder Taktik-, Ansprachen- Team- und Spielerguides die Spielmechanik vom FM beherrschen wie Neo die Matrix. Bis zu einem großen Grad ist das sicherlich auch möglich, auch der FM ist ein Spiel gegen Computergegner, die nie so unvorhersehbar reagieren können wie ein Mensch. Wie das insgesamt gehen soll, weiß ich nicht, weil es im Programm eigentlich keine lineare Logik a la "Wenn ich Hebel x betätige, und Wert A soundso ist, passiert später y" gibt. Die einzige Konstante in jedem Spielstand ist die Datenbank, und die hat schon ein großes Gewicht. Aber wenn dem so ist, wäre mir das vielleicht auch zu doof und vorhersehbar. Ungefähr so wie bei den Fanstories, die ich hin und wieder noch überfliege: die sind immer nach gleichem Schema gebaut und laufen in eine Richtung: nach oben. Ich hatte noch nie einen Spielstand im FM, der sich wie die meisten dieser "Kleiner-Club-ganz-Groß"-Stories liest. Ein Bundesliga-Aufstieg mit St. Pauli ist eine Erlebnis, ein Sieg mit Luxemburg gegen Finnland eine Sensation. Aber ich bin ja auch nicht Neo.
Eigentlich gibt es da für jeden Schwierigkeitsgrad irgendwas. Aber um die Schwierigkeit ging es zumindest dem Thread-Eröffner nicht. Eher um die Komplexität, und die nimmt in dieser Reihe eher zu als ab, fast ein bisschen gegen viele Trends in der Spieleindustrie, die sich wie das Kino auch und vor allem über kurzweilige Blockbuster finanziert. Und einige Funktionen, die als Füller empfunden werden. Irgendwie lese ich auch immer was von "funktionierender Taktik", da gehts dann in endlosen Posts um Ergebnisse, Punkte und Tabellenplätze. Schieberegler-Stellungen werden bis aufs genaueste analysiert, hier ein Klick nach rechts, da einer nach links - dass die Unterschiede, über die diskutiert sind, minimal sind und die unendlich große Zahl von Permutationen an Spielerattributen, Situationen und äußeren Umständen jeden Spieler trotzdem anders reagieren lassen können, alles Stadionwurst. Hauptsache die "ideale Taktik", der ideale Spieler und Highscores wie im Videospiel, ist ja auch verständlich. Aber die ME ist komplex genug, dass man ja auch mal anders an die Sache herangehen kann. Komplex genug, um den alten Zwist, der jeder Taktik innewohnt, der zwischen Effizienz und Schönspielerei, zwischen Angriff und Verteidigung, darzustellen. Man kann Deutschland wieder ein Zerstörer-Mittelfeld zurückgeben und Ergebnisfußball spielen lassen, oder versuchen, Ajax Amsterdam wieder den Fußball beizubringen, den es mal berühmt gemacht hat. Überhaupt schade, dass man immer noch über Klicks und nicht über Fußball spricht. Da ist das Taktik-Tool vielleicht noch nicht soweit.